Die kurze Antwort: Deine Fahrradkette reinigst du direkt am Rad, ausbauen musst du sie nicht. Erst den groben Dreck mit einem trockenen Lappen und einer Bürste abnehmen, bei Schmodder mit lauwarmem Spüliwasser nachbürsten, mit wenig klarem Wasser abspülen, gründlich trockenreiben und sofort ölen. Ist altes Öl verharzt oder die Kette schwarz verkrustet, hilft ein milder Kettenreiniger. Finger weg von Hochdruckreiniger, Essig, Rostentferner und scharfen Entfettern. Mit etwas Übung bist du in einer Viertelstunde fertig.
Wie oft solltest du die Kette reinigen?
Wetter und Untergrund entscheiden. Ich halte mich an die Richtwerte der Kettenhersteller:
- Straße, trocken: spätestens nach circa 250 km oder einmal im Monat gründlich reinigen.
- Gelände, Schotter, oft nass: spätestens nach circa 100 km.
- Nach Regen, Matsch oder Streusalz: direkt nach der Fahrt, zumindest abwischen, trocknen und ölen.
Knirscht die Kette wie feiner Sand oder hast du nach dem Anfassen schwarze Finger, ist sie fällig, egal was der Tacho sagt.
Kette reinigen ohne Ausbau: Schritt für Schritt
Du brauchst zwei Lappen, eine alte Zahnbürste, lauwarmes Wasser mit ein paar Tropfen Spülmittel und dein Kettenöl. Am E-Bike kommt vorher der Akku raus. So mache ich es in meiner Werkstatt in Vohenstrauß:
- Rad sicher hinstellen. Am besten in einen Montageständer. Ein Rad mit hydraulischen Scheibenbremsen stellst du nicht auf den Kopf, sonst können Luftblasen Richtung Bremssattel wandern.
- Trocken vorreinigen. Lappen um die Kette legen, Kurbel rückwärts drehen, Sand zwischen den Gliedern mit der Bürste lösen.
- Schaltröllchen, Ritzel und Kettenblätter mitnehmen. Für eine richtig verdreckte Kassette gibt es die Anleitung Kassette reinigen.
- Nass nachbürsten. Bürste ins Spüliwasser tauchen und die Kette Glied für Glied durchbürsten.
- Kurz abspülen. Mit wenig klarem Wasser aus Schwamm oder Gießkanne, niemals mit Hochdruck.
- Trockenreiben. Die Kette mehrmals durch einen trockenen Lappen laufen lassen, sonst setzt in den Gelenken Flugrost an.

💡 Werkstatt-Tipp von Christian: "Die Schaltröllchen vergessen fast alle. Dort sitzt oft ein richtiger Dreckbart, der nach dem Putzen gleich wieder auf der Kette landet. Ich kratze ihn mit einem Holzstäbchen ab, bevor ich mit der Kette anfange."

Spüli, Kettenreiniger und Hausmittel im Check
Spüli ist ein mildes, neutrales Reinigungsmittel, genau das empfehlen Kettenhersteller für die normale Pflege. Säure- oder laugenhaltige Mittel greifen dagegen den Stahl an, im schlimmsten Fall bricht die Kette.
| Mittel | Urteil | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|
| Trockener Lappen und Bürste | gut | Nach fast jeder Fahrt, reicht bei Staub und Sand. |
| Lauwarmes Spüliwasser | gut, danach sofort ölen | Für die gründliche Reinigung bei Alltagsdreck. |
| Lappen mit etwas dünnem Öl | gut | Für die schnelle Pflege zwischendurch ohne Wasser. |
| Milder Bio-Kettenreiniger | gut bei starkem Dreck | Bei verharztem Öl und Winterdreck, etwa mit dem Dr. Wack F100 Bio Kettenreiniger. |
| Waschbenzin, Diesel, Petroleum, Bremsenreiniger | eher nicht | Nur wenn du bewusst komplett entfetten willst, etwa vor dem Wachsen. |
| Essig, Zitronensäure, Rostentferner, Backofenreiniger | schadet | Gar nicht. |
| Hochdruckreiniger, Dampfstrahler | schadet | Gar nicht, der Strahl drückt Wasser und Dreck in die Gelenke. |
Starke Lösemittel waschen auch das Fett aus dem Inneren der Kette. Wann komplettes Entfetten trotzdem sinnvoll ist, steht im Beitrag Fahrradkette entfetten. Ist die Kette schon braun, hilft dir Fahrradkette entrosten ohne Ausbau.
💡 Werkstatt-Tipp von Christian: "Gegen Spüli habe ich nichts. Die rostigen Ketten nach einer Spüli-Wäsche kommen fast immer von Leuten, die danach das Ölen vergessen haben. Ohne Nachschmieren setzt nach wenigen Tagen Rost an."
Wann sich ein Kettenreiniger lohnt
Zum Kettenreiniger greife ich, wenn altes Öl verharzt ist, nach dem Winter oder nach einer Schlammtour. Den F100 Bio Kettenreiniger sprühst du auf, lässt ihn 5 bis 10 Minuten einwirken, bürstest nach und spülst mit Wasser ab, danach trocknen wie oben. Wer oft putzt, nimmt ein Kettenreinigungsgerät, eine kleine Box mit Bürsten, durch die du die Kette kurbelst.
Nach dem Reinigen: trocknen und ölen
Eine frisch gereinigte Kette ist innen fast trocken, deshalb kommt direkt danach Öl in die Gelenke. Wie viel und wie oft, steht im Beitrag Fahrradkette richtig ölen. Wenn die Kette schon sauber ist, leg die Kettenverschleißlehre an. Ist sie zu lang, sparst du dir das Ölen und tauschst gleich.
Häufige Fragen zum Kette reinigen
Kann ich die Fahrradkette mit Spüli reinigen?
Ja. Ein paar Tropfen Spülmittel in lauwarmem Wasser schaden der Kette nicht. Danach mit wenig klarem Wasser nachspülen, gut trocknen und sofort ölen, weil Spüli auch das Öl aus den Gelenken löst.
Muss ich die Kette zum Reinigen ausbauen?
Nein. Die Kette bleibt am Rad, du drehst die Kurbel rückwärts und arbeitest mit Lappen und Bürste. Ausbauen lohnt sich meist nur zum Wachsen. Achtung: Manche Kettenschlösser, etwa der Shimano Quick-Link, dürfen nach dem Öffnen nicht wiederverwendet werden.
Wie reinige ich eine E-Bike-Kette?
Wie jede andere Kette. Nimm vorher den Akku heraus und lass den Hochdruckreiniger weg, damit kein Wasser in die Lager von Motor und Naben gelangt. Weil E-Bike-Ketten unter Motorlast schneller verschleißen, miss beim Putzen gleich die Längung.
Sauber, trocken, geölt: Mit dieser Routine hält deine Kette deutlich länger und nimmt die teure Kassette nicht mit. Sagt die Lehre trotzdem, dass sie durch ist, findest du Ersatz bei den Fahrradketten, und wenn du unsicher bist, welche passt, schreib mir kurz, welches Rad du fährst.




