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In dieser Anleitung zeige ich dir, wie du deine Fahrradkette wechseln kannst – mit dem richtigen Werkzeug und ein paar Handgriffen. Ich habe in meiner Werkstatt in Vohenstrauß schon hunderte Ketten gewechselt. Die häufigsten Fehler kenne ich aus eigener Erfahrung und aus unzähligen Gesprächen mit anderen Bikern. Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Wann muss ich die Fahrradkette wechseln?

Wechsle deine Kette, bevor sie 0,75% Längung erreicht hat. Eine verschlissene Kette frisst deine Kassette und das Kettenblatt mit. Das wird teuer. Eine neue Kette kostet 20-40 Euro. Eine neue Kassette dazu nochmal 50-150 Euro. Wer zu spät wechselt, zahlt am Ende dreimal so viel.

Mit einer Kettenverschleißlehre (auch Rohloff-Lehre genannt) prüfst du den Zustand in Sekunden. Du steckst sie einfach zwischen die Kettenglieder. Fällt die 0,75-Seite komplett rein, ist es Zeit für eine neue Kette. Bei Aluminium-Ritzeln solltest du sogar schon bei 0,5% wechseln.

Hast du keine Lehre zur Hand? Dann nimm einen Messschieber. Miss 12 Kettenglieder von Bolzenmitte zu Bolzenmitte. Bei einer neuen Kette sind das exakt 119,5 mm. Ab 120,25 mm (das entspricht 0,75% Längung) ist Schluss.

Die "Finger-Methode" – Ohne Werkzeug prüfen

Greif die Kette am vorderen Kettenblatt und zieh sie nach außen. Siehst du einen deutlichen Spalt und die Zahnspitzen schauen komplett raus? Dann ist die Kette hinüber. Bei einer neuen Kette lässt sie sich kaum vom Kettenblatt abheben. Diese Methode ist nicht so präzise wie eine Lehre, aber sie reicht für eine erste Einschätzung.

Das richtige Werkzeug für den Wechsel

Du brauchst nicht viel. Ein Kettennieter (auch Kettennietdrücker genannt) ist Pflicht, wenn du keinen Kettenschloss-Verschluss hast. Damit drückst du den alten Nietstift raus und den neuen wieder rein. Klingt einfach, hat aber seine Tücken.

Mein Tipp aus der Praxis: Verwende zusätzlich eine Kettenschlosszange. Damit öffnest und schließt du Kettenschlösser sauber und ohne Fummelei. Theoretisch geht es auch mit einem Draht oder zwei Kabelbindern. Aber ehrlich – für 10 Euro sparst du dir viel Frust.

Was du sonst noch brauchst:

  • Einen Lappen (es wird schmierig)
  • Kettenöl für nachher
  • Optional: Montageständer (erleichtert die Arbeit enorm)

Dir fehlt noch das passende Werkzeug oder die Kette?
Schau direkt bei mir im Shop für Fahrradzubehör vorbei.

Alte Kette entfernen & Länge bestimmen

Zuerst musst du die alte Kette öffnen. Bei einem Kettenschloss (auch MissingLink genannt) drückst du die beiden Laschen zusammen und ziehst sie auseinander. Mit einer Kettenschlosszange geht das in zwei Sekunden. Ohne Zange? Dann leg die Kette so aufs kleinste Ritzel, dass das Schloss oben liegt. Jetzt die Bremse ziehen und rückwärts Druck auf die Pedale geben. Manchmal öffnet sich das Schloss so von selbst.

Bei einer genieteten Kette nimmst du den Kettennieter. Setz ihn auf einen beliebigen Stift und dreh ihn langsam raus. Wichtig: Drück den Stift nicht komplett durch! Er soll nur aus der äußeren Lasche raus. So kannst du die Kette öffnen, ohne den Stift zu verlieren.

Jetzt zur Länge. Am einfachsten: Zähl die Glieder der alten Kette und nimm die gleiche Anzahl. Aber Achtung – war die alte Kette überhaupt richtig lang? Im Zweifel lieber neu berechnen.

Kettenverschleiß erkennen – neue vs. alte Fahrradkette im Längenvergleich

Die grobe Formel lautet: Zähnezahl großes Kettenblatt + Zähnezahl größtes Ritzel + 4 Kettenglieder. Für die exakte Berechnung schau in meinen separaten Ratgeber zur Kettenlänge exakt berechnen.

Achtung bei Fullys und E-Bikes

Bei einem Fully musst du die Kette im eingefederten Zustand prüfen. Setz dich aufs Rad oder lass jemanden den Hinterbau runterdrücken. Im eingefederten Zustand braucht die Kette mehr Länge. Ist sie zu kurz, reißt sie bei der nächsten Abfahrt – oder dein Schaltwerk verabschiedet sich.

Bei E-Bikes kommt noch was dazu: Der Motor zieht brutal an der Kette. Besonders im Turbo-Modus auf den kleinen Ritzeln. Deshalb verschleißen E-Bike Ketten deutlich schneller. Ich empfehle spezielle E-Bike Ketten mit verstärkten Laschen und Bolzen. Die halten locker doppelt so lang.

Noch ein Praxis-Tipp: Nach dem Einbau einer neuen Kette kann es passieren, dass sie auf den kleinsten drei bis vier Ritzeln springt. Das liegt meistens nicht an der Kette, sondern an der verschlissenen Kassette. Die Zähne sind schon "Haifischzähne" – spitz und abgenutzt. Die neue Kette passt nicht mehr in die ausgelutschten Zahnlücken. Dann hilft nur ein Kassettenwechsel.

Neue Kette montieren (Schritt-für-Schritt)

Leg die neue Kette neben die alte und kürze sie auf die richtige Länge. Dann fädelst du sie durchs Schaltwerk. Dabei gilt: Oberhalb der Spannrolle, unterhalb der Leitrolle. Schau dir im Zweifel das Schaltwerk genau an – oft ist der Weg durch die Röllchen aufgedruckt.

Jetzt kommt ein wichtiger Punkt: die Laufrichtung. Bei Shimano-Ketten muss die Beschriftung nach außen zeigen. Das hat mir auch der Shimano-Support bestätigt. Die Schrift abwechselnd aufrecht und auf dem Kopf – das ist normal. Wichtig ist nur die Seite. Bei KMC-Ketten achtest du auf den aufgedruckten Pfeil. Bei vielen Modellen ist die Richtung aber egal.

Verschlussarten im Vergleich

Kriterium Kettenschloss (MissingLink) Nietstift (Shimano-Methode)
Werkzeug nötig Kettenschlosszange (empfohlen) Kettennieter (Pflicht)
Wiederverwendbar Ja, mehrfach (KMC) / Einmal (Shimano) Nein, nie!
Fehlerquelle Gering Hoch (Loch ausgeweitet = Kette unsicher)
Unterwegs reparierbar Ja, mit Ersatzschloss Nur mit Werkzeug und Ersatzstift
Meine Empfehlung ✓ Klarer Favorit Nur wenn vom Hersteller vorgeschrieben

Beim Kettenschloss führst du beide Enden zusammen, steckst die Laschen ineinander und ziehst sie fest. Mit der Zange geht das sauber. Ohne Zange: Bremse halten, kräftig in die Pedale treten – das Schloss rastet ein.

Fahrradkette wechseln – Kettenschloss wird mit Zange geschlossen

Beim Nieten brauchst du den speziellen Shimano-Nietstift. Drück ihn mit dem Kettennieter langsam rein, bis er bündig ist. Dann brich die Führungsspitze ab. Wichtig: Ein einmal eingedrückter Stift darf NIE wiederverwendet werden. Das Loch ist danach minimal größer. Die Kette kann an dieser Stelle brechen. Ich habe das im Forum dutzende Male gelesen – und zweimal selbst erlebt.

Fazit & Sicherheitscheck

Geschafft! Aber bevor du losradelst, mach einen Sicherheitscheck. Schalte alle Gänge durch, während du das Hinterrad drehst. Läuft die Kette sauber über alle Ritzel? Kein Springen, kein Haken?

Dann die Probefahrt. Aber: Nicht sofort im Stehen antreten! Wenn die Kette springt, während du mit vollem Gewicht in die Pedale trittst, knallst du aufs Oberrohr. Das ist nicht lustig. Fahr erstmal ein paar Meter im Sitzen und teste die Gänge sanft durch. Besonders die kleinen Ritzel hinten sind kritisch.

Nach ein paar Kilometern solltest du die Kette nochmal nachölen. Ich verwende dafür Dr. Wack F100 Kettenöl – tropfenweise auftragen, kurz einwirken lassen, überschüssiges Öl abwischen. So hält deine neue Kette deutlich länger.

Und wenn du jetzt Lust auf eine neue hochwertige Fahrradkette bekommen hast: In meinem Shop findest du KMC und Shimano Ketten für jede Gangzahl. Bei Fragen schreib mir einfach – ich helfe gern.

Ride on!
Christian von Bavarian-Bike

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