11-34, 50/34, 1/2 Zoll - auf Kassette, Kurbel und Kette stehen lauter Zahlen, und viele werfen sie in einen Topf. Dabei entscheidet das Verständnis dieser Zahlen, ob dein Rad sich harmonisch fährt oder ob jeder Gangwechsel ruckelt und dir am Berg die Puste ausgeht. Besonders ein Begriff sorgt für Dauerverwirrung: Kettenteilung hat nämlich nichts mit deiner Übersetzung zu tun. Ich bin Christian Reindl, und ich erkläre dir hier ohne Formel-Wust, was Übersetzung, Entfaltung und Bandbreite bedeuten - und warum die Kettenteilung fast immer gleich ist.
Inhalt
- Übersetzung: Kettenblatt zu Ritzel
- Entfaltung: Meter pro Kurbelumdrehung
- Bandbreite und Abstufung: eng oder weit?
- Kettenteilung: der missverstandene Begriff
- Häufige Fragen
Übersetzung: Kettenblatt zu Ritzel
Die Übersetzung ist schlicht das Verhältnis der Zähne vorne zu hinten: Zähne am Kettenblatt geteilt durch Zähne am Ritzel. Ein 50er-Kettenblatt auf einem 25er-Ritzel ergibt also die Übersetzung 2,0 - eine Kurbelumdrehung dreht das Hinterrad zweimal. Je größer die Zahl, desto schwerer und schneller der Gang. Kletterst du auf ein 34er-Ritzel hinten, sinkt die Übersetzung, der Gang wird leichter. Welche Kassette welche Spannweite bietet, zeigt mein großer Kassetten-Kaufratgeber.
Entfaltung: Meter pro Kurbelumdrehung
Die Entfaltung macht aus der nackten Übersetzung etwas Greifbares - nämlich die Strecke, die du pro Kurbelumdrehung zurücklegst. Dafür multiplizierst du die Übersetzung einfach mit dem Radumfang. Bei einem 28-Zoll-Rad (etwa 2,2 Meter Umfang) und Übersetzung 2,0 sind das rund 4,4 Meter pro Umdrehung. Genau deshalb fühlen sich gleiche Gänge an unterschiedlichen Rädern verschieden an: Ein 29-Zoll-Laufrad rollt pro Umdrehung weiter als ein altes 26-Zoll-Rad bei identischer Übersetzung. Wer es exakt mag, nutzt einen Online-Ritzelrechner und trägt Kettenblatt, Ritzel und Radgröße ein - in 30 Sekunden hast du jeden Gang in Metern vor dir.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Vergleiche nie zwei Räder nur über die Gangzahl. Ein 1x11-Gravel mit 40er-Blatt und 10-42-Kassette hat eine ganz andere Spreizung als ein 2x10-Trekkingrad. Ich rechne Kunden im Zweifel die Entfaltung im kleinsten und größten Gang aus - dann sieht man sofort, ob die Bergreserve reicht."

Bandbreite und Abstufung: eng oder weit?
Die Bandbreite ist der Sprung vom kleinsten zum größten Ritzel. Eine 11-28 ist eng abgestuft, eine 11-46 weit. Beides hat seinen Sinn:
| Abstufung | Beispiel | Vorteil | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|---|
| Eng (close ratio) | 11-28, 11-30 | Kleine Gangsprünge, ideale Trittfrequenz | Rennrad und flaches bis welliges Gelände |
| Mittel | 11-34, 11-36 | Guter Kompromiss aus Sprung und Bergreserve | Trekking, Gravel und hügelige Touren |
| Weit (wide range) | 10-51, 11-46 | Riesige Bergreserve mit nur einem Kettenblatt | MTB und steile Anstiege mit 1x-Antrieb |
Ehrlich gesagt verkauft das Marketing "mehr Bandbreite ist besser". In der Werkstatt sehe ich das anders: Wer flach fährt, kurbelt mit einer engen 11-30 spürbar runder als mit einer 11-46, bei der jeder Sprung ruckelt. Für die enge Variante fahre ich gern die Shimano 105 11-fach ab 63,95 Euro, fürs weite Gelände die Shimano Deore 10-fach ab 55,95 Euro. Welche Klasse zu welchem Einsatz passt, steht im Überblick Kassettenklassen, und die komplette Bandbreite findest du in den Fahrradkassetten.
Kettenteilung: der missverstandene Begriff
Jetzt der Punkt, der die meisten verwirrt: Die Kettenteilung ist der Abstand zwischen zwei Kettenbolzen. Bei nahezu jedem modernen Fahrrad beträgt sie 1/2 Zoll, also 12,7 Millimeter - vom Kinderrad bis zum High-End-MTB. Diese Teilung sagt also nichts über deine Übersetzung oder Gangzahl aus und ist auch kein Kaufkriterium für die Kassette.
Was bei der Kette wirklich zählt, ist die Innenbreite: Eine 12-fach-Kette ist schmaler als eine 8-fach-Kette, damit sie zwischen die enger stehenden Ritzel passt. Wenn du also nach "Kettenteilung" suchst, weil du eine passende Kette brauchst, achte in Wahrheit auf die Gangzahl, nicht auf die Teilung. Die Begriffe rund um die Ritzel selbst erkläre ich im Kassetten-Glossar.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wenn dir jemand eine Kette mit 'anderer Kettenteilung' verkaufen will, werde hellhörig. Fürs normale Fahrrad gibt es nur die halbe-Zoll-Teilung. Entscheidend ist die Gangzahl - eine 11-fach-Kette auf eine 11-fach-Kassette, fertig."

Häufige Fragen
Wie berechne ich die Übersetzung am Fahrrad?
Teile die Zähne am Kettenblatt durch die Zähne am Ritzel. 50 Zähne vorne und 25 hinten ergeben die Übersetzung 2,0. Für die Entfaltung multiplizierst du das Ergebnis mit dem Radumfang.
Was bedeutet die Kettenteilung beim Fahrrad?
Die Kettenteilung ist der Abstand zwischen zwei Kettenbolzen und beträgt beim Fahrrad fast immer 1/2 Zoll (12,7 mm). Diese Teilung ist überall gleich und sagt nichts über Gangzahl oder Übersetzung aus.
Eng oder weit abgestuft - was ist besser?
Das hängt vom Einsatz ab. Eng abgestufte Kassetten halten die Trittfrequenz konstant und passen aufs Rennrad. Weit abgestufte bieten mehr Bergreserve und passen ans MTB. Für Touren ist eine mittlere Abstufung der beste Kompromiss.
Was ist die Entfaltung?
Die Entfaltung ist die Strecke, die du pro voller Kurbelumdrehung zurücklegst. Du berechnest sie aus Übersetzung mal Radumfang. So werden Gänge zwischen verschiedenen Rädern vergleichbar.
Rechne im Zweifel deinen kleinsten und größten Gang einmal aus - dann weißt du genau, ob die Kassette zu deinem Gelände passt (Achte auf die Bandbreite, nicht auf die Kettenteilung - die ist immer gleich!).


