Der Alpe Adria Radweg war für mich eine der schönsten Erfahrungen auf dem Rad – 410 Kilometer in 8 Etappen, von der Mozartstadt bis ans Meer. Ich bin Christian von Bavarian-Bike.de und habe diese Route komplett durchgefahren. Was ich dabei gelernt habe: Diese Tour ist machbar für jeden, der halbwegs fit ist. Aber es gibt ein paar Dinge, die du vorher wissen solltest.
In diesem Guide teile ich meine persönlichen Tipps zur Strecke, zur Ausrüstung und zur Logistik. Vom Fahrradtransport durch den Tauerntunnel bis zur Rückreise von Grado nach Salzburg – alles, was du für deine eigene Tour brauchst.
Warum diese Route die schönste Alpenüberquerung ist
Du startest in Salzburg zwischen Barockkirchen und Kaffeehäusern. Sechs Tage später stehst du mit den Füßen im Sand von Grado. Dazwischen liegen Almwiesen, türkisblaue Flüsse und alte Eisenbahntrassen, auf denen kein einziges Auto fährt.
Der Alpe Adria Radweg verbindet drei Länder: Österreich, Slowenien (ein kurzes Stück) und Italien. Das Besondere ist der Streckenverlauf. Die Route nutzt stillgelegte Bahntrassen, vor allem im italienischen Kanaltal. Dort radelst du durch alte Tunnel und über Viadukte, während links und rechts die Berge aufragen.
Was mich am meisten beeindruckt hat: der Kontrast. Morgens noch Kaiserschmarrn auf der Alm, abends Risotto ai frutti di mare mit Blick aufs Meer. Die Radtour Salzburg Grado ist wie eine kulinarische Zeitreise durch Mitteleuropa.
Die Strecke ist durchgehend als CAAR (Ciclovia Alpe Adria Radweg) beschildert. Verfahren ist praktisch unmöglich. Die meisten Abschnitte sind asphaltiert, nur vereinzelt gibt es kurze Schotterstücke.
Die Vorbereitung: Welches Rad und was muss mit?
Kurz und knapp: Ein Trekkingrad oder E-Bike reicht völlig aus. Du brauchst kein Mountainbike. Die Wege sind zu 90 Prozent asphaltiert oder gut befestigt.
Ich empfehle ein E-Bike für die erste Hälfte der Strecke. Der Anstieg durchs Gasteinertal auf über 1.000 Meter Höhe ist der anspruchsvollste Teil. Mit Motorunterstützung wird das zum Genuss statt zur Quälerei. Ab Villach geht es dann fast nur noch bergab oder flach – da könntest du auch mit einem Hollandrad fahren.
Für eine E-Bike Reise Italien solltest du vor der Abfahrt unbedingt dein Rad durchchecken. Ich habe mir angewöhnt, vor jeder längeren Tour die Kette zu prüfen und gegebenenfalls zu wechseln. Bei 400 Kilometern und vielen Höhenmetern ist das keine Kleinigkeit.
Bremsen: Unterschätz die Abfahrten nicht
Nach der Tauernschleuse geht es vom Mölltal hinunter nach Spittal. Das sind gut 30 Kilometer bergab. Deine Bremsen werden dabei ordentlich gefordert. Ich rate dir, vorher die Bremsbeläge zu kontrollieren. Bei meiner Tour habe ich einen Mitradler getroffen, dessen Beläge am zweiten Tag schon runter waren. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, findest du bei uns Bremsscheiben und Verschleißteile für die Vorbereitung.
Die Tunnel im Kanaltal: Ohne Licht geht nichts
Jetzt kommt der wichtigste Tipp für deine Ausrüstung. Im italienischen Kanaltal fährst du durch über 20 Tunnel auf der alten Pontebbana-Bahntrasse. Diese Tunnel haben zwar Bewegungsmelder für die Beleuchtung – aber die reagieren oft erst, wenn du schon mittendrin stehst.
Ich spreche aus Erfahrung: Die ersten Meter in so einem Tunnel sind stockfinster. Du siehst buchstäblich die Hand vor Augen nicht. Eine starke Fahrradlampe ist hier Pflicht, keine Option. Mindestens 80 Lumen vorne, besser mehr. Einige Tunnel sind mehrere hundert Meter lang.
Packliste für die Tour
Ich packe für mehrtägige Touren immer nach dem gleichen Prinzip: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Hier meine Essentials:
- Ersatzschlauch und Flickzeug
- Multitool mit Kettennieter
- Mini-Luftpumpe
- Regenjacke (das Wetter in den Alpen wechselt schnell)
- Sonnencreme und Sonnenbrille
- Starke Fahrradlampe (siehe oben!)
- Powerbank für Handy und Navi
Mehr Fahrradzubehör und Werkzeug für die Reise findest du in unserem Shop. Und falls du noch mehr Inspiration brauchst, schau dir unsere allgemeinen Reisetipps an.
Meine Etappen-Empfehlung (Salzburg bis Grado)
Die klassische Aufteilung sind 8 Etappen in 7-8 Tagen. Du kannst die Tour natürlich auch sportlicher angehen und in 5-6 Tagen durchziehen. Oder du nimmst dir mehr Zeit und genießt jeden Ort. Hier meine Empfehlung für Genießer:
| Etappe | Strecke | km | Kulinarisches Highlight |
|---|---|---|---|
| 1 | Salzburg – Bischofshofen | 55 | Salzburger Nockerl in Hallein |
| 2 | Bischofshofen – Bad Gastein | 40 | Kaiserschmarrn auf der Alm |
| 3 | Bad Gastein – Spittal/Drau | 65 | Kärntner Kasnudeln |
| 4 | Spittal/Drau – Villach | 40 | Villacher Brauhaus-Bier |
| 5 | Villach – Tarvis (Italien) | 45 | Erster Espresso in Italien |
| 6 | Tarvis – Venzone | 55 | Brettljause in Pontebba |
| 7 | Venzone – Udine | 50 | Frico (Käsegericht) in Udine |
| 8 | Udine – Grado | 60 | Meeresfrüchte-Risotto am Strand |
Gesamt: ca. 410 km | Höhenmeter bergauf: ca. 3.500 m | Dauer: 7-8 Tage
Die einzelnen Abschnitte im Detail
Salzburg bis Gasteinertal (Etappe 1-2): Du startest am Mozartplatz und folgst der Salzach flussaufwärts. Der Weg führt durch das Salzachtal, vorbei an der imposanten Festung Hohenwerfen. In Bischofshofen siehst du die berühmte Skisprungschanze. Ab hier beginnt der Anstieg ins Gasteinertal – der anspruchsvollste Teil der gesamten Tour. Bad Gastein auf über 1.000 Metern Höhe ist ein perfekter Etappenort.
Die Tauernschleuse (Etappe 3): Von Böckstein bei Bad Gastein geht es mit dem Autozug durch den 8,4 Kilometer langen Tauerntunnel nach Mallnitz. Keine Sorge, das klingt komplizierter als es ist. Mehr dazu im nächsten Abschnitt. Nach der Zugfahrt wartet eine traumhafte Abfahrt durchs Mölltal nach Spittal.
Kärnten und Villach (Etappe 3-4): Ab Spittal wird es entspannt. Du folgst der Drau, einem der schönsten Flussradwege Europas. Schloss Porcia in Spittal ist einen kurzen Abstecher wert. In Villach lohnt sich ein Abend in der Altstadt – das Brauhaus dort hat ausgezeichnetes Bier.
Das Kanaltal und die Bahntrassen (Etappe 5-6): Ab Villach geht es Richtung Italien. Bei Tarvis überquerst du die Grenze. Jetzt beginnt der spektakulärste Teil: die alte Pontebbana-Bahntrasse. Du fährst auf dem ehemaligen Gleisbett, durch Tunnel und über Viadukte. Der Tagliamento, ein wilder Gebirgsfluss mit türkisblauem Wasser und breitem Kiesbett, begleitet dich. Venzone ist ein Pflichtbesuch – das Dorf wurde nach dem Erdbeben 1976 originalgetreu wiederaufgebaut.
Das Finale: Friaul und Grado (Etappe 7-8): Von Venzone geht es flach durch die friaulische Tiefebene. Udine ist eine unterschätzte Stadt mit wunderschöner Piazza della Libertà. Die letzten 60 Kilometer nach Grado sind pure Vorfreude. Wenn du die Lagune erreichst und die salzige Meeresluft riechst, weißt du: Du hast es geschafft.
Die Tauernschleuse: So funktioniert der Fahrradtransport
Die Tauernschleuse Fahrrad ist einfacher als gedacht. Zwischen Böckstein (bei Bad Gastein) und Mallnitz verkehrt ein Autozug durch den Tauerntunnel. Dieser Zug nimmt auch Fahrräder mit – und zwar unkompliziert.

Die wichtigsten Fakten:
- Fahrzeit: 11-12 Minuten durch den 8,4 km langen Tunnel
- Frequenz: Stündlich, von früh bis spät abends
- Fahrplan: Böckstein Richtung Mallnitz zur Minute :20, Mallnitz Richtung Böckstein zur Minute :50
- Preis: Ca. 10 Euro pro Fahrrad (Stand 2024)
- Reservierung: Nicht möglich und nicht nötig – Tickets kaufst du vor Ort
- Kapazität: 50-150 Fahrräder pro Zug, von April bis Oktober gibt es einen eigenen Fahrradwaggon
Mein Tipp: Sei etwa 15 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof. Die Verladung schließt 5 Minuten vorher. Du stellst dein Rad in den Fahrradwaggon und gehst dann selbst in den Panoramawagen. Die Fahrt durch den dunklen Tunnel ist kurz aber spannend.
Wichtiger Hinweis für 2024/2025: Der Tunnel wird modernisiert. Von November 2024 bis voraussichtlich Juli 2025 gibt es Einschränkungen. In dieser Zeit verkehren Rad-Shuttle-Busse als Alternative. Diese musst du vorab reservieren unter +43-4783-313-9999. Informier dich vor deiner Tour über den aktuellen Stand.
Rückreise: Der Zug zurück nach Salzburg
Du stehst in Grado, die Füße im Sand, das Rad daneben. Und jetzt? Der Rücktransport Grado Salzburg ist der Teil, den viele unterschätzen. Hier mein wichtigster Rat: Kümmere dich rechtzeitig darum!
Option 1: Der Micotra-Zug
Die klassische Variante ist der Micotra-Zug. Er fährt von Cervignano (etwa 17 km von Grado entfernt) über Udine und Villach zurück nach Salzburg. Die Fahrt dauert etwa 5 Stunden und ist landschaftlich reizvoll.
Das Problem: Die Fahrradplätze sind begrenzt. In der Hauptsaison sind die Züge oft ausgebucht. Buche so früh wie möglich, idealerweise mehrere Wochen im Voraus. Die Buchung geht über die ÖBB oder Trenitalia.
Option 2: Fahrrad-Shuttle-Dienste
Wenn der Zug voll ist oder du flexibler sein willst, gibt es private Shuttle-Dienste. Diese holen dich direkt in Grado ab und bringen dich samt Rad zurück nach Salzburg oder sogar bis nach Deutschland. Das ist teurer als der Zug, aber bequemer und zuverlässiger planbar.
Ein bekannter Anbieter ist bike-shuttle.at. Die Buchung solltest du ebenfalls rechtzeitig machen, besonders im Juli und August.
Option 3: Die Tour als Rundtour planen
Manche Radler fahren von Grado aus weiter an der Küste entlang oder nehmen eine andere Route zurück. Das ist natürlich die sportlichste Variante – aber auch die zeitintensivste.
Häufige Fragen zur Tour
Wann ist die beste Reisezeit für den Alpe Adria Radweg?
Mai bis Oktober ist ideal. Im Frühsommer (Mai/Juni) sind die Temperaturen angenehm und die Unterkünfte noch nicht überlaufen. Im Hochsommer (Juli/August) kann es in der friaulischen Tiefebene sehr heiß werden – dann früh starten! Der Herbst (September/Oktober) bietet oft das stabilste Wetter und goldenes Licht.
Kann ich die Tour auch mit Kindern fahren?
Ja, aber mit Einschränkungen. Die Strecke ab Villach bis Grado ist auch für ältere Kinder (ab 10-12 Jahren) gut machbar, da überwiegend flach. Der Abschnitt durchs Gasteinertal mit dem Anstieg auf über 1.000 Meter ist für Kinder anspruchsvoll. Eine Alternative: Starte die Tour erst in Villach und spare dir den alpinen Teil.
Wo übernachte ich am besten?
Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. In der Hauptsaison solltest du vorbuchen, besonders in beliebten Orten wie Bad Gastein, Villach und Grado. Ich empfehle, die Unterkünfte flexibel zu halten – manchmal schaffst du mehr Kilometer als geplant, manchmal weniger.
Gibt es Ladestationen für E-Bikes?
Ja, die Infrastruktur ist gut. Viele Hotels und Restaurants bieten kostenlose Lademöglichkeiten an. In Österreich findest du auch an manchen Rastplätzen Ladestationen. Nimm trotzdem dein eigenes Ladegerät mit und lade über Nacht in der Unterkunft auf.
Fazit: Einmal im Leben muss man das machen
Der Alpe Adria Radweg ist mehr als nur eine Radtour. Es ist eine Reise durch drei Länder, drei Kulturen und tausend verschiedene Eindrücke. Du startest zwischen Mozartkugeln und Barockfassaden, kämpfst dich durch die Alpen, rollst entspannt an Flüssen entlang und endest mit den Füßen im Sand.
Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist? Der Moment, als ich nach der letzten Etappe in Grado ankam. Die Sonne ging gerade unter, ich saß auf der Strandpromenade mit einem Aperol Spritz in der Hand und dachte: Das war es wert. Jeder einzelne Kilometer.
Die Tour ist machbar. Sie ist nicht extrem anspruchsvoll, aber auch kein Spaziergang. Mit der richtigen Vorbereitung und einem funktionierenden Rad schaffst du das. Und wenn du am Ende in Grado stehst, verstehst du, warum so viele Radfahrer von dieser Route schwärmen.
Also: Wann planst du deine Alpe Adria Radweg Tour?


