Hand aufs Herz: Der häufigste Grund für eine teure Kassetten-Retoure ist der falsche Freilauf. Die Kassette passt perfekt zur Gangzahl, sieht top aus, und lässt sich trotzdem nicht montieren, weil der Aufnahme-Standard auf der Nabe nicht stimmt. Ich bin Christian Reindl, schraube täglich in der Werkstatt und zeige dir hier den Daumentest, mit dem du in zehn Sekunden weißt, welchen Freilauf du hast: HG, Microspline, XD oder den alten Schraubkranz.
Inhalt
- Was ist der Freilauf überhaupt?
- Der Daumentest: Freilauf in 10 Sekunden bestimmen
- Welche Kassette passt auf welchen Freilauf?
- Spacer und Drehmoment nicht vergessen
- Häufige Fragen
Was ist der Freilauf überhaupt?
Der Freilaufkörper ist der Teil der Hinterradnabe, auf den die Kassette gesteckt und mit einem Verschlussring fixiert wird. Er sorgt dafür, dass sich das Rad weiterdreht, wenn du nicht trittst. Wichtig für den Kassettenkauf: Es gibt verschiedene Aufnahme-Profile, und nur die passende Kassette lässt sich montieren. Wie der Freilauf technisch arbeitet, erklärt mein Beitrag Freilauf erklärt.
Warum gibt es überhaupt so viele Standards? Hyperglide ist Shimanos jahrzehntealter Klassiker und sitzt an den meisten Rädern. Microspline kam erst mit den 12-fach-MTB-Kassetten, weil ein winziges 10-Zahn-Ritzel auf den dickeren HG-Körper konstruktiv gar nicht passt. XD-Driver ist SRAMs eigene Antwort auf dasselbe Problem. Die gute Nachricht: Bei vielen Naben lässt sich der Freilaufkörper separat tauschen. Du musst also nicht gleich ein neues Laufrad kaufen, nur weil du den Standard wechseln willst, oft reicht ein neuer Freilaufkörper für deine vorhandene Nabe.
Der Daumentest: Freilauf in 10 Sekunden bestimmen
Nimm die alte Kassette ab und schau dir das Profil des Freilaufkörpers an, oder fühle mit dem Daumen über die Splines. An diesen Merkmalen erkennst du den Standard sofort:
| Freilauf | Erkennungsmerkmal | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|
| Hyperglide (HG) | 9 lange plus 1 kurzer Spline | der Klassiker für 7- bis 11-fach und alle CUES-Linkglide-Modelle |
| Microspline | 23 feine, schmale Splines | Shimano 12-fach MTB mit 10-Zahn-Ritzel und XT-Linkglide CS-M8130 |
| XD-Driver | 4 breite Splines mit Innengewinde | SRAM-Eagle-Kassetten ab 10 Zähnen |
| Schraubkranz | Gewinde statt Splines, wird aufgeschraubt | alte Räder bis etwa Mitte der 90er |

💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Der Daumentest auf den nackten Freilaufkörper ist der sicherste Weg vor dem Bestellen: 9 lange plus 1 kurzer Spline gleich HG, 23 feine Splines gleich Microspline, 4 dicke mit Gewinde gleich XD. Dauert zehn Sekunden und erspart dir die teure Retoure, die ich hier jede Woche sehe."
Welche Kassette passt auf welchen Freilauf?
Hast du den Standard bestimmt, ist die Kassettenwahl einfach. Hier die passenden Beispiele aus dem Sortiment:
- HG: hier passt die größte Auswahl, von 7-fach bis zur cleveren 12-fach auf HG wie der SunRace CSMZ800 11-51, ganz ohne Microspline-Umbau.
- Microspline: für Shimano 12-fach, zum Beispiel die Shimano Deore 10-51.
- XD-Driver: für SRAM-Eagle-Setups, etwa die SunRace CSMX9X mit 10-Zahn-Mini.
- Schraubkranz: am alten Rad kommt ein Shimano 7-fach Schraubzahnkranz zum Einsatz.
Ehrlich gesagt: Viele glauben, für 12-fach müsse zwingend ein teurer Microspline-Freilauf her. Das stimmt nicht. Auf einem normalen HG-Freilauf laufen mittlerweile sehr gute 12-fach-Kassetten von SunRace, du sparst dir den Naben-Umbau komplett. Welche Klasse und Bandbreite zu dir passt, klärt der Vergleich der Kassettenklassen, alle Modelle findest du in den Fahrradkassetten.
Spacer und Drehmoment nicht vergessen
Zwei Details entscheiden, ob die montierte Kassette sauber läuft:
Spacer: Auf einem HG-Freilauf braucht eine 8- oder 9-fach-Kassette einen 1,85-mm-Aluminium-Spacer, sonst sitzt sie nicht fest. Bei 10- und 11-fach auf HG entfällt er meist, bei Microspline und XD wird nie ein Spacer verbaut.
Drehmoment: Der Verschlussring wird bei HG, Microspline und XD mit 40 Newtonmeter angezogen. Dafür brauchst du den passenden Kassettenabzieher und idealerweise einen Drehmomentschlüssel.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Der vergessene 1,85-mm-Spacer ist ein Klassiker. Wenn eine frisch montierte 8- oder 9-fach-Kassette wackelt oder sich der Verschlussring nicht richtig festziehen lässt, fehlt fast immer dieser kleine Alu-Ring. Erst Spacer drauf, dann Kassette."
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, welchen Freilauf ich habe?
Mit dem Daumentest am nackten Freilaufkörper: 9 lange plus 1 kurzer Spline ist Hyperglide (HG), 23 feine Splines sind Microspline, 4 breite Splines mit Innengewinde sind XD-Driver. Ein aufgeschraubtes Gewinde ist ein alter Schraubkranz.
Brauche ich für eine 12-fach-Kassette zwingend Microspline?
Nein. Shimano-12-fach mit 10-Zahn-Ritzel braucht Microspline, aber es gibt sehr gute 12-fach-Kassetten von SunRace, die auf den klassischen HG-Freilauf passen. So sparst du dir den Umbau der Nabe.
Wann brauche ich einen Spacer?
Eine 8- oder 9-fach-Kassette auf einem HG-Freilauf braucht einen 1,85-mm-Aluminium-Spacer. Bei 10- und 11-fach auf HG entfällt er meist, bei Microspline und XD wird nie ein Spacer verbaut.
Mit welchem Drehmoment ziehe ich den Verschlussring an?
Der Verschlussring von HG-, Microspline- und XD-Kassetten wird mit 40 Newtonmeter angezogen. Mit Hand-Kraft an einem 30-cm-Hebel reichen etwa zwei Drittel deiner Maximalkraft, ein Drehmomentschlüssel ist aber genauer.

Mein Fazit: Erst der Daumentest, dann der Kauf. Wer den Freilauf kennt, bestellt nie wieder die falsche Kassette. Den kompletten Auswahl-Weg mit Gangzahl und Bandbreite gehe ich im großen Kassetten-Kaufratgeber durch. Die passende Kassette und das Werkzeug findest du in den Fahrradkassetten (prüf vorher den Freilauf-Standard auf deiner Nabe).


