Hand aufs Herz: Die meisten von uns treten jahrelang auf den Pedalen herum, die zufällig am Rad montiert waren - und merken erst nach dem Wechsel, wie viel Halt, Komfort und Tritt-Effizienz sie liegen gelassen haben. Ein Paar gute Plattformpedale kostet ab 30 Euro, ein einsteiger-taugliches Klickpedal (SPD) ab rund 42 Euro. Das ist das billigste Tuning am ganzen Bike. Ich bin Christian Reindl, schraube und fahre täglich, und in diesem Ratgeber sortiere ich dir die drei Pedaltypen so, dass du in zwei Minuten weißt, was an dein Rad gehört - ohne Marketing-Sprech, dafür mit den Zahlen und Stolperfallen aus der Werkstatt.
Pedale sind die einzige starre Verbindung zwischen dir und dem Antrieb. Geht hier Kraft verloren oder rutscht der Fuß weg, spürst du das bei jeder Tour. Deshalb lohnt sich der genaue Blick.
- Stadt, Pendeln, normale Schuhe - Plattform-/Flatpedal aus Alu mit Pins, ab ca. 30 Euro. Keine Spezialschuhe nötig.
- MTB, Trekking, sportlich mit gelegentlichem Absteigen - Klick/SPD (2-Loch-System), ab ca. 42 Euro. Cleat versenkt in der Sohle, du kannst noch laufen.
- Rennrad, maximale Kraftübertragung - SPD-SL (3-Loch), große Auflagefläche, ab ca. 40 Euro UVP. Zum passenden Shimano Deore XT PD-M8100 Pedal weiter unten mehr.
Inhalt
- Die 3 Pedaltypen plus Kombipedal im Überblick
- Vergleichstabelle: Welcher Pedaltyp für wen?
- Plattformpedale: der unterschätzte Allrounder
- Klickpedale verstehen: SPD, SPD-SL und Co.
- Echte Pedal-Hersteller (und warum XT keine Marke ist)
- Worauf ich beim Pedalkauf wirklich achte
- Pedale montieren und wechseln
- Häufige Fragen zu Fahrradpedalen
Die 3 Pedaltypen plus Kombipedal im Überblick
Im Kern gibt es drei Pedalfamilien, dazu eine praktische Mischform. Das ist die ganze Welt - alles andere sind Varianten davon:
- Plattform- bzw. Flatpedale: Die klassische große Trittfläche für ganz normale Schuhe. Pins (kleine Metallstifte) sorgen für Grip. Kein Einklicken, du stehst einfach drauf. Zuhause in Stadt, Alltag, MTB-Einstieg und überall, wo du oft den Fuß absetzt.
- Klickpedale (SPD): Eine feste Verbindung über eine Schuhplatte, den sogenannten Cleat, der mit zwei Schrauben am Schuh sitzt. Das System heißt bei Shimano SPD und stammt aus dem MTB-Bereich. Der Cleat ist in der Sohle versenkt, also kannst du damit noch ordentlich laufen.
- SPD-SL und andere Rennrad-Klicksysteme: Ein großer Cleat, der mit drei Schrauben befestigt wird und unten am Schuh übersteht. Riesige Auflagefläche, beste Kraftübertragung - aber laufen fühlt sich an wie auf Stöckelschuhen. Klar fürs Rennrad gedacht.
- Kombipedale (eine Seite Flat, eine Seite Klick): Die ehrliche Lösung für alle, die nicht immer Klickschuhe tragen. Vormittags zum Bäcker in Sneakern, nachmittags die sportliche Runde mit Klickschuh - beides mit demselben Pedal.
Der Unterschied zwischen Klickpedalen und Plattformpedalen ist der Punkt, an dem die meisten beim Kauf hängenbleiben. Ich gehe deshalb beide gleich im Detail durch.

Vergleichstabelle: Welcher Pedaltyp für wen?
| Pedaltyp | Stärke | Schwäche | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|---|
| Plattform / Flat (Pins) | Normale Schuhe, sofort losfahren, schneller Fuß-runter | Fuß kann bei Nässe verrutschen, kein Zug nach oben | Stadt-, Pendel- und Alltagsrad sowie MTB-Einsteiger, die im Gelände oft den Fuß absetzen. |
| Klick / SPD (2-Loch) | Fester Halt, Cleat versenkt, laufen geht trotzdem | Spezialschuhe nötig, Eingewöhnung beim Ausklicken | Trekking-, Touren- und MTB-Fahrer, die Effizienz wollen, aber auch mal schieben oder laufen. |
| SPD-SL (3-Loch) | Größte Auflagefläche, beste Kraftübertragung, leicht | Laufen kaum möglich, Cleat nutzt sich beim Gehen ab | Rennrad- und ambitionierte Tempo-Fahrer, die jedes Watt auf die Straße bringen wollen. |
| Kombipedal (Flat + Klick) | Flexibel mit jedem Schuh, eine Seite für jeden Zweck | Etwas schwerer, man muss oft das Pedal drehen | Pendler und Genussfahrer, die je nach Tour zwischen normalen Schuhen und Klickschuhen wechseln. |
Leistungsklassen auf einen Blick: gut, besser, perfekt
Welche Pedalklasse zu dir passt, hängt vom Einsatz ab - nicht vom Preis allein. Die drei Stufen als Orientierung.
| Klasse | Was du bekommst | Wann ist das perfekt für dich? |
|---|---|---|
| ✅ Gut | Stabiles Plattformpedal oder Shimano PD-M520, circa 30 bis 45 Euro | Stadt, Alltag und Einsteiger, die mit normalen Schuhen fahren wollen. |
| ⭐ Besser | Kombipedal (Flat plus SPD) oder Shimano PD-M540, circa 55 bis 70 Euro | Trekking und ambitionierte Touren, oder wenn du den Umstieg auf Klick testen willst. |
| 🏆 Perfekt | Shimano XT PD-M8100 fürs MTB oder SPD-SL fürs Rennrad, ab circa 85 Euro | Vielfahrer, MTB-Performance und Rennrad mit maximaler Kraftübertragung. |
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wenn ein Kunde von Flat auf SPD umsteigt, drehe ich die Auslösehärte an der kleinen Schraube ganz nach unten - gegen den Uhrzeigersinn. In den ersten zwei Wochen kippt sonst fast jeder einmal an der Ampel um, weil der Fuß im Pedal hängenbleibt. Mit weicher Härte klickst du im Notfall sofort aus."
Plattformpedale: der unterschätzte Allrounder
Ehrlich gesagt: Plattformpedale werden in der Klick-Fraktion oft belächelt, völlig zu Unrecht. Für 90 Prozent aller Alltagsfahrten sind sie die bessere Wahl, weil du jeden Schuh anziehen kannst und an jeder Ampel ohne Nachdenken den Fuß abstellst. Entscheidend ist die Qualität: Ein gefrästes Alu-Pedal mit echten Metall-Pins hält bombenfest, ein billiges Kunststoffpedal mit angegossenen Noppen rutscht bei Nässe und bricht im Winter gern mal.
Worauf es ankommt, ist die Auflagefläche und die Pins. Eine große, flache Plattform verteilt den Druck und macht lange Touren angenehmer. Die Pins lassen sich bei guten Modellen einzeln tauschen, wenn mal einer abreißt. Für den robusten Alltag und den MTB-Einstieg verkaufen wir gerne unsere CNC-gefrästen Alu-Flatpedale mit 14 Pins - ehrlich gesagt würde ich sie auch ohne diesen Verkäufer-Hut empfehlen, weil das Verhältnis aus Grip, Lagerqualität und Preis einfach passt.
Wer es etwas vielseitiger mag, schaut sich Plattformpedale mit Kombifunktion an. Das Tatze Two Face Plattform/SPD-Pedal hat auf einer Seite die offene Plattform und auf der anderen eine SPD-Klickaufnahme - genau die Mischform, die ich Pendlern empfehle, die nicht jeden Tag in Klickschuhen unterwegs sind.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Pins kontrolliere ich bei jedem Service mit dem Fingernagel. Sitzt einer locker, ziehe ich ihn von der Rückseite mit einem 2er-Inbus oder Torx nach. Ein einziger fehlender Pin in der Schuhmitte reicht, dass der Fuß bei Regen wegschmiert - das ist die häufigste Ursache für die abgeschürften Schienbeine, die ich im Frühjahr sehe."
Klickpedale verstehen: SPD, SPD-SL und Co.
Klickpedale, oft auch Systempedale genannt, verbinden Schuh und Pedal über den Cleat fest miteinander. Der Vorteil ist der "runde Tritt": Du drückst nicht nur nach unten, sondern ziehst auch nach oben mit. Das bringt am Berg und beim Tempo spürbar Vortrieb und hält den Fuß mittig und ergonomisch auf dem Pedal. Der Nachteil ist die Eingewöhnung - das Ausklicken durch Wegdrehen der Ferse muss sitzen, sonst wird die Ampel zum Problem.
Die beiden wichtigsten Systeme solltest du auseinanderhalten:
- SPD (2-Loch, MTB und Trekking): Kleiner Metall-Cleat, mit zwei Schrauben am Schuh, versenkt in der Sohle. Du kommst von beiden Pedalseiten rein, und du kannst damit laufen und schieben. Genau deshalb ist SPD das System für Touren, Trekking und Gelände.
- SPD-SL (3-Loch, Rennrad): Großer Kunststoff-Cleat, mit drei Schrauben befestigt, steht unter dem Schuh über. Die große Kontaktfläche überträgt maximal Kraft, dafür schlurfst du beim Laufen wie ein Pinguin. Über die "Float"-Bewegungsfreiheit entscheidet bei Shimano die Cleat-Farbe: gelb steht für 6 Grad Spiel und schont das Knie, rot für 0 Grad fixiert komplett.
Ein praktischer Punkt, den viele übersehen: Die Auslösehärte stellst du bei beiden Systemen über eine kleine Schraube am Pedal ein. Im Uhrzeigersinn fester, gegen den Uhrzeigersinn weicher. Für Umsteiger gilt immer weich anfangen.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "SPD-Cleats sind ein Verschleißteil, das fast jeder vergisst. Wenn das Einklicken schwammig wird oder der Fuß von selbst rausspringt, liegt es meist nicht am Pedal, sondern am ausgelutschten Cleat für ein paar Euro. Ich tausche die Schuhplatten bei Vielfahrern grob jährlich - billiger und schneller als jede Pedalreparatur."

Echte Pedal-Hersteller (und warum XT keine Marke ist)
Hier räume ich mit einem Irrtum auf, der durchs halbe Netz geistert: XT ist keine Pedalmarke. XT steht für Deore XT, also eine Ausstattungs- und Qualitätsstufe von Shimano - vergleichbar mit der Gruppe 105 oder SLX. Die Marke ist und bleibt Shimano. Wenn du also ein "XT-Pedal" suchst, meinst du das Shimano Deore XT PD-M8100, ein SPD-Pedal auf hohem Niveau.
Die tatsächlich relevanten Pedal-Hersteller sind überschaubar:
- Shimano: Der Platzhirsch mit der größten Bandbreite. SPD fürs Gelände, SPD-SL fürs Rennrad. Bekannte Modelle sind das PD-M520 (Einstieg, rund 42 Euro), das PD-M540 (Mittelklasse, rund 63 Euro) und das PD-M8100 auf XT-Niveau (rund 85 Euro).
- Crankbrothers: Bekannt für die Eggbeater mit Vier-Seiten-Einstieg und sehr schmutzresistentem Aufbau - beliebt bei Cross-Country, Gravel und Enduro. Einstieg ab knapp 50 Euro.
- HT Components: Stark im Gravity- und Enduro-Bereich, oft mit besonders satter Plattform um den Klickmechanismus herum.
- Look: Erfand das Rennrad-Klickpedal und ist mit dem Keo-System bis heute eine feste Größe auf der Straße.
- Time: Eigenwilliger Aufbau ohne klassische Spiralfeder, dafür sehr leicht und mit großzügigem Float um 10 Grad - angenehm für empfindliche Knie.
Marketing sagt gern "mehr Marke gleich besser". In der Praxis sehe ich es anders: Für den Alltag tut es ein solides Plattformpedal von jedem ordentlichen Hersteller, und beim Klicksystem zählt vor allem, dass Pedal, Cleat und Schuh zueinander passen. Die Systeme der Hersteller sind untereinander nämlich nicht kompatibel.
Worauf ich beim Pedalkauf wirklich achte
- Schuh-Kompatibilität zuerst: Bevor du ein Klickpedal kaufst, klär die Schuhfrage. Rennradschuhe haben meist 3-Loch-Bohrung (SPD-SL), MTB- und Trekkingschuhe 2-Loch (SPD). Plattformpedale brauchen gar keinen Spezialschuh - das ist ihr großer Vorteil.
- Material und Lager: Gefrästes Aluminium und gedichtete Industrielager halten Jahre. Kunststoffkörper und einfache Gleitlager sind günstiger, aber im nassen Winter schneller durch. Ein Pedal, das beim Drehen knirscht oder Spiel hat, hat ein fertiges Lager.
- Auflagefläche und Pins: Größere Plattform gleich mehr Komfort und Kontrolle. Tauschbare Pins sind ein echtes Qualitätsmerkmal, weil du das Pedal jahrelang am Leben hältst.
- Reflektoren für die Straße: Wenn das Rad im Straßenverkehr läuft, sind Pedalreflektoren in Deutschland Pflicht. Reine MTB- und Rennradpedale haben oft keine - dann brauchst du die Sichtbarkeit woanders, etwa über eine vernünftige Beleuchtung.
- Das richtige Werkzeug: Zum Wechseln brauchst du einen 15er-Pedalschlüssel oder oft einen 6er- bzw. 8er-Inbus. Wer noch nichts daheim hat, findet das passende Teil in der Fahrradwerkzeug-Kategorie.
Ehrlich gesagt: Bevor du Geld in teure Pedale steckst, fahr erst mal mit einem guten, günstigen Plattform- oder Einsteiger-SPD-Pedal. Ich habe selbst jahrelang das schlichte PD-M520 gefahren und bin überzeugt, dass die meisten den Unterschied zum Dreifachen des Preises auf der Hausrunde nicht spüren. Für den Tourer-Alltag fahre ich heute am liebsten Kombipedale, weil ich nicht für jede Fahrt die Schuhe wechseln will.
Pedale montieren und wechseln
Pedale wechseln ist eine der dankbarsten Arbeiten am Rad, wenn du den einen Klassiker-Fehler kennst: Das linke Pedal hat ein Linksgewinde. Das heißt, es löst sich gegen den normalen Drehsinn. Wer das nicht weiß, dreht es fest, statt es zu lösen, und verzweifelt. Merksatz: Beide Pedale drehst du zum Lösen nach hinten, in Fahrtrichtung des Rades gedacht.
- Gang aufs große Kettenblatt legen, dann schützt das Blatt deine Hand, falls du abrutschst.
- Rechtes Pedal (Antriebsseite): mit 15er-Schlüssel oder Inbus gegen den Uhrzeigersinn lösen.
- Linkes Pedal: im Uhrzeigersinn lösen - das ist das Linksgewinde.
- Vor der Montage etwas Montagepaste oder Fett aufs Gewinde geben. Das verhindert Kontaktkorrosion und sorgt dafür, dass du die Pedale beim nächsten Mal wieder herausbekommst.
- Neues Pedal handfest eindrehen und mit Gefühl anziehen - festgetreten wird es während der Fahrt von allein.
Wenn ein Pedal bombenfest sitzt, helfen dir die Details in meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Pedale abschrauben weiter. Mehr zur Auswahl fürs Gelände findest du außerdem in meinem Beitrag zu Mountainbike-Pedalen und Fahrspaß.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Das eingerostete, festsitzende Pedal ist mein Brot-und-Butter-Reparaturfall, fast immer weil beim letzten Mal kein Fett ans Gewinde kam. Zehn Sekunden Montagepaste sparen dir später eine halbe Stunde Fluchen und im schlimmsten Fall ein ausgerissenes Kurbelgewinde."
Häufige Fragen zu Fahrradpedalen
Welche Pedaltypen gibt es beim Fahrrad?
Es gibt drei Haupttypen plus eine Mischform. Plattform- bzw. Flatpedale mit Pins für normale Schuhe, Klickpedale im SPD-System mit 2-Loch-Cleat für MTB und Trekking, sowie SPD-SL mit 3-Loch-Cleat fürs Rennrad. Dazu kommt das Kombipedal mit einer Flat- und einer Klickseite, ideal, wenn du je nach Tour mit normalen Schuhen oder Klickschuhen fährst.
Klickpedale oder Plattformpedale - was ist besser?
Das hängt vom Einsatz ab. Plattformpedale sind ideal für Stadt, Pendeln und den MTB-Einstieg, weil du jeden Schuh tragen und sofort den Fuß absetzen kannst. Klickpedale bringen über den runden Tritt mehr Effizienz und Halt, brauchen aber Spezialschuhe und etwas Eingewöhnung beim Ausklicken. Für unentschlossene Pendler ist ein Kombipedal die ehrlichste Lösung.
Ist XT eine Pedalmarke?
Nein. XT ist keine eigene Marke, sondern die Bezeichnung Deore XT, also eine Qualitätsstufe von Shimano. Ein sogenanntes XT-Pedal ist in Wahrheit das Shimano Deore XT PD-M8100, ein hochwertiges SPD-Klickpedal. Die Marke ist also Shimano, XT beschreibt nur die Ausstattungsklasse.
Welche echten Pedal-Hersteller gibt es?
Die wichtigsten Hersteller sind Shimano, Crankbrothers, HT Components, Look und Time. Shimano deckt mit SPD und SPD-SL die größte Bandbreite ab, Crankbrothers ist mit den Eggbeater-Pedalen im MTB stark, Look und Time sind feste Größen im Rennradbereich. Wichtig: Die Klicksysteme der Hersteller sind untereinander nicht kompatibel, Pedal und Cleat müssen vom selben System sein.
Warum dreht sich das linke Fahrradpedal anders?
Das linke Pedal hat ein Linksgewinde und löst sich deshalb im Uhrzeigersinn, das rechte gegen den Uhrzeigersinn. Das verhindert, dass sich das Pedal durch die Tretbewegung selbst losdreht. Praktischer Merksatz: Beide Pedale löst du, indem du den Schlüssel nach hinten Richtung Heck des Rades drückst. Etwas Fett aufs Gewinde verhindert, dass das Pedal festrostet.


