Das linke Pedal geht einfach nicht ab, du drehst und drehst gegen den Uhrzeigersinn, und nichts passiert. Genau an dieser Stelle scheitern die meisten zu Hause, und am Ende ist das Gewinde rund oder die Kurbel verkratzt. Der Grund ist simpel: Das linke Pedal hat ein Linksgewinde und löst sich im Uhrzeigersinn, also genau andersherum als jede normale Schraube. Wer das weiß, wechselt seine Pedale in unter 10 Minuten - mit einem 15-mm-Pedalschlüssel oder einem 6-mm-Innensechskant. Ich bin Christian Reindl, schraube als Zweiradmechaniker täglich an Bikes, und zeige dir hier die Handgriffe so, dass nichts kaputtgeht.
- Rechtes Pedal (Antriebsseite) hat Rechtsgewinde: lösen gegen den Uhrzeigersinn, anziehen im Uhrzeigersinn.
- Linkes Pedal hat Linksgewinde: lösen im Uhrzeigersinn, anziehen gegen den Uhrzeigersinn. Pedale sind meist mit R/L markiert.
- Gewinde vor der Montage fetten, von Hand eindrehen, dann handfest plus fest anziehen (Richtwert ca. 35 Nm). Werkzeug findest du in der Kategorie Fahrradwerkzeug.
Inhalt
- Warum das linke Pedal andersherum aufgeht
- Welches Werkzeug du brauchst
- Pedale wechseln - Schritt für Schritt
- Welcher Pedaltyp passt zu dir?
- Die häufigsten Fehler (und wie du sie vermeidest)
- Festsitzende Pedale lösen
- Häufige Fragen
Warum das linke Pedal andersherum aufgeht
Das ist der eine Punkt, an dem zu Hause am meisten schiefgeht, deshalb zuerst. Rechts und links gehst du immer aus Sicht des Fahrers, also so, wie du auf dem Rad sitzt. Das rechte Pedal (die Antriebsseite mit Kettenblatt) hat ein ganz normales Rechtsgewinde: Es löst sich gegen den Uhrzeigersinn, genau wie jede Schraube, die du kennst. Das linke Pedal dagegen hat ein Linksgewinde - es löst sich im Uhrzeigersinn und wird gegen den Uhrzeigersinn festgezogen.
Warum dieser Aufwand? Beim Treten dreht sich die Kurbel, und durch die Lagerreibung in der Pedalachse würde sich ein normales Gewinde auf der linken Seite mit der Zeit von selbst losdrehen. Das Linksgewinde sorgt dafür, dass sich beide Pedale beim Fahren selbstständig festziehen statt lösen. Praktisch heißt das auch: Du musst die Pedale beim Anschrauben nicht mit roher Gewalt anknallen, der Rest passiert beim ersten Treten von allein.
Damit du beim Kauf nicht rätst: Pedale sind fast immer mit den Buchstaben R und L markiert, entweder am Pedalkörper oder direkt auf der Achse am Sechskant. Schau vor der Montage kurz nach, dann steckst du das richtige Pedal in die richtige Seite.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wenn du nicht mehr weißt, in welche Richtung, merk dir den 8-Uhr-Trick: Stell die Kurbel auf etwa 8 Uhr und schraub von oben über das Rad gebeugt. So löst sich auf beiden Seiten alles 'nach hinten' weg, und du verwechselst die Richtung nicht. Diesen einen Dreh-Fehler sehe ich bei selbst montierten Online-Bikes mindestens einmal pro Woche - meist mit rundgedrehtem Gewinde."
Welches Werkzeug du brauchst
Pedale haben in der Regel zwei Ansatzpunkte für Werkzeug, und welchen du nutzt, hängt vom Pedal ab. Zwischen Pedalkörper und Kurbel sitzt eine Schlüsselfläche für einen 15-mm-Schlüssel. Ein normaler Maulschlüssel geht zur Not, besser ist ein flacher Pedalschlüssel: Der passt in den schmalen Spalt und hat den längeren Hebel, den du beim Lösen festsitzender Pedale wirklich brauchst.
An der Stirnseite der Achse - also von der Rückseite der Kurbel her - sitzt bei vielen Pedalen zusätzlich eine Aufnahme für einen Innensechskant (Inbus). Das Maß ist meist 6 mm, in Ausnahmefällen 8 mm. Wichtig zu wissen: Manche schmalen Klickpedale haben gar keine 15-mm-Fläche mehr, da kommst du nur über den Inbus von hinten ran. Such dir vorher aus, was dein Pedal anbietet. Und es gehört ein Tube Fahrradfett dazu, dazu gleich mehr.
Beides bekommst du in der Kategorie Fahrradwerkzeug. Ehrlich gesagt reicht für den reinen Pedalwechsel oft schon der Inbus, den die meisten ohnehin im Multitool dabeihaben - einen extra Pedalschlüssel brauchst du nur, wenn die Pedale richtig fest sitzen.

Pedale wechseln - Schritt für Schritt
- Rad stabil hinstellen. Am besten in den Montageständer, sonst lehn es so an, dass es nicht wegrutscht. Du brauchst beide Hände und manchmal etwas Druck.
- Altes rechtes Pedal lösen. Setz den Schlüssel an und dreh gegen den Uhrzeigersinn (Rechtsgewinde). Tipp: Kurbel auf 4 Uhr stellen und von oben arbeiten, dann hast du den Körper hinter dem Hebel.
- Altes linkes Pedal lösen. Jetzt im Uhrzeigersinn drehen (Linksgewinde) - das ist der Schritt, der die meisten verwirrt. Kurbel auf 8 Uhr, von oben gegen das Rad gebeugt.
- Gewinde reinigen und fetten. Altes Fett und Dreck am Kurbelgewinde abwischen, dann einen kleinen Klecks Fett aufs Pedalgewinde geben. Beim Einschrauben verteilt es sich von selbst.
- Neue Pedale zuordnen. R rechts, L links. Falsch eingesetzt frisst sich das Pedal sofort schief ins Gewinde.
- Von Hand eindrehen. Erst mit den Fingern ein paar Umdrehungen einschrauben: rechts im Uhrzeigersinn, links gegen den Uhrzeigersinn. Geht es nicht leicht, sofort stoppen und neu ansetzen, nie mit Gewalt.
- Festziehen. Zum Schluss mit dem Schlüssel handfest plus einen kräftigen Zug nachsetzen, Richtwert etwa 35 Nm. Keine Sorge, falls du es minimal zu locker findest: Die Pedale ziehen sich beim Treten selbst nach.

Welcher Pedaltyp passt zu dir?
Grob gibt es drei Bauarten. Plattformpedale (auch Flatpedale) sind die flachen Standardpedale, auf die du mit normalen Schuhen drauftrittst. Klickpedale verbinden sich über eine Cleat-Platte fest mit speziellen Radschuhen, das gibt eine sauberere Kraftübertragung. Kombipedale haben eine Plattform- und eine Klickseite - praktisch, wenn du mal mit Turnschuhen und mal mit Klickschuhen fährst.
| Pedaltyp | Stärke | Werkzeug zum Wechseln | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|---|
| Plattform / Flat | Sofort fahrbereit mit jedem Schuh, günstig | 15-mm-Pedalschlüssel oder 6-mm-Inbus | Für Stadt, Pendeln und alle, die ohne Spezialschuhe aufs Rad steigen wollen. |
| Klick (SPD) | Feste Schuhverbindung, runder Tritt, mehr Kontrolle | Meist nur 6-mm-Inbus von hinten | Für sportliche Tourenfahrer und Mountainbiker, die Effizienz und Halt wollen. |
| Kombi (Flat + Klick) | Beide Welten an einem Pedal | 15-mm-Schlüssel oder 6-mm-Inbus | Für alle, die dasselbe Rad mal sportlich, mal mit Alltagsschuhen fahren. |
Ich selbst fahre am Pendlerrad bewusst Plattformpedale mit ordentlich Pins. Klick ist toll auf der sportlichen Runde, aber an der Ampel will ich nicht jedes Mal aus- und einklicken müssen. Wer robuste Flatpedale sucht, findet bei uns zum Beispiel die Tatze Contact Plattformpedale mit 10 Pins; wer auf Klick umsteigen will, schaut sich die Shimano Deore XT PD-M8100 Klickpedale an. Beide verkaufen wir gern - ehrlich ist aber: Welche Bauart zu dir passt, entscheidet dein Schuh und dein Fahrstil, nicht der Preis.
Die häufigsten Fehler (und wie du sie vermeidest)
Der Klassiker ist das verwechselte Gewinde links - das hatten wir schon. Fast genauso oft kommt das Überdrehen beim Ansetzen: Wer das Pedal schief ansetzt und mit dem Schlüssel reindrückt, ruiniert das Aluminiumgewinde der Kurbel in Sekunden. Deshalb gilt immer: erst mit den Fingern eindrehen, und nur wenn es leicht läuft, mit Werkzeug nachsetzen.
Der zweite teure Fehler ist das Weglassen vom Fett. Ohne Fett frisst sich die Stahlachse mit der Zeit in die Kurbel, und beim nächsten Wechsel bekommst du das Pedal kaum noch heraus. Ein paar Cent Fett sparen dir später eine ruinierte Kurbel.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Bei Carbon-Kurbeln und bei Pedalen mit Titanachse niemals normales Fett aufs blanke Material, sondern die passende Montagepaste - und bei Carbon die dünnen Beilagscheiben nicht weglassen, sonst frisst sich die harte Stahlachse ins weichere Insert. Eine eingelaufene Carbon-Kurbel kostet schnell dreistellig, die Paste ein paar Euro."
Marketing sagt gern, ein teures Pedal sei automatisch das bessere. In der Praxis sehe ich das anders: Für den Alltag hält ein solides Plattformpedal für 30 bis 40 Euro oft länger als gedacht, weil weniger empfindliche Mechanik verbaut ist. Teuer lohnt sich vor allem dort, wo du Gewicht oder eine bestimmte Klickfunktion wirklich brauchst.
Festsitzende Pedale lösen
Wenn ein Pedal jahrelang nicht gefettet draufsaß, kann es bockig werden. Dann hilft erstens der lange Hebel - ein 15-mm-Pedalschlüssel bringt mehr Kraft auf als der kurze Inbus. Zweitens etwas Kriechöl auf die Kontaktstelle zwischen Achse und Kurbel geben und ein paar Minuten einwirken lassen, das löst die Korrosion an.
Hab ich früher mal mit purer Gewalt und einem zu kurzen Inbus probiert - das war ein Reinfall, der Inbus ist abgerutscht und hat mir die Aufnahme rundgedreht. Seitdem gilt: lieber Kriechöl und Geduld als noch mehr Kraft. Worauf du beim Kriechöl achten solltest, habe ich dir im Beitrag WD-40 am Fahrrad - was du wissen musst aufgeschrieben. Wenn sich gar nichts mehr tut und das Gewinde droht, kaputtzugehen, ist der Gang in die Werkstatt günstiger als eine neue Kurbel. Eine ausführliche Variante nur zum Lösen findest du auch im Ratgeber Pedale abschrauben - so einfach geht's.

Häufige Fragen
In welche Richtung löse ich das linke Pedal?
Das linke Pedal hat ein Linksgewinde und löst sich im Uhrzeigersinn - also genau andersherum als eine normale Schraube. Festgezogen wird es gegen den Uhrzeigersinn. Das rechte Pedal hat dagegen ein Rechtsgewinde und löst sich gegen den Uhrzeigersinn.
Welches Werkzeug brauche ich zum Pedalwechsel?
Entweder einen 15-mm-Pedalschlüssel an der Achse zwischen Kurbel und Pedalkörper oder einen Innensechskant von der Rückseite, meist 6 mm, selten 8 mm. Schmale Klickpedale lassen sich oft nur über den Inbus lösen. Dazu gehört ein wenig Fahrradfett für das Gewinde.
Wie fest muss ich Fahrradpedale anziehen?
Handfest plus ein kräftiger Zug mit dem Schlüssel, als Richtwert etwa 35 Nm. Die Pedale ziehen sich beim Treten ohnehin selbst nach, also lieber nicht mit Gewalt anknallen. Wenn der Hersteller einen anderen Wert angibt, gilt dieser.
Muss ich das Pedalgewinde wirklich fetten?
Ja. Fett hält das Gewinde wasserabweisend und sorgt dafür, dass sich das Pedal beim nächsten Mal mit normalem Kraftaufwand wieder lösen lässt. Ohne Fett frisst sich die Stahlachse vor allem in Alukurbeln fest. Bei Titanachsen und Carbon-Kurbeln nimmst du stattdessen Montagepaste.
Passt jedes Pedal an jedes Fahrrad?
Bei den allermeisten Erwachsenenrädern ja, denn Kurbel und Pedal haben das gleiche 9/16-Zoll-Standardgewinde. Sehr alte oder einteilige Kurbeln können ein abweichendes 1/2-Zoll-Gewinde haben. Im Zweifel das alte Pedal mitnehmen und vergleichen.





