Bavarian-bike.de, fahrradersatzteile aus bayern, Familienbetrieb

Wenn du deine Fahrrad Kassette wechseln willst, brauchst du das richtige Werkzeug und ein Auge für Verschleiß. Ich zeige dir in dieser Anleitung jeden Handgriff. Nach über 500 Kassettenwechseln in meiner Werkstatt kenne ich jeden Trick. Und auch jeden Fehler, den Anfänger machen. Am Ende dieses Artikels weißt du genau, wann deine Ritzel fällig sind. Du weißt, welches Werkzeug du brauchst. Und du kannst den Wechsel selbst durchführen.

Wann ist die Kassette reif für die Tonne?

Deine Kassette ist verschlissen, wenn die Zähne aussehen wie Haifischflossen. Statt symmetrischer Zacken siehst du dann spitze, nach einer Seite geneigte Zähne. Das passiert schleichend. Meist merkst du es erst, wenn die Kette unter Last überspringt.

Genau das ist das deutlichste Warnsignal. Du trittst kräftig in die Pedale und plötzlich rutscht die Kette durch. Das passiert besonders oft auf den kleinen Ritzeln. Also genau dort, wo du am meisten Kraft überträgst. Bei mir im Forum lese ich das ständig: "Kette springt nur im 11er oder 13er Ritzel." Dann ist das Ritzelpaket tauschen angesagt.

E-Bike-Fahrer aufgepasst: Bei euch verschleißt die Kassette deutlich schneller. Der Motor drückt mit 80 bis 90 Newtonmetern auf den Antrieb. Normale Fahrräder kommen vielleicht auf 30 bis 40. Ich sehe E-Bike-Kassetten, die nach 1.500 Kilometern am Ende sind. Bei einem normalen Mountainbike hält die gleiche Kassette locker 5.000 Kilometer. Das liegt am hohen Drehmoment und am Schalten unter Last. Wenn du am Berg im Turbo-Modus schaltest, leidet dein Antrieb massiv.

Mein Tipp: Schalt am E-Bike lieber einen Gang früher. Reduzier die Unterstützungsstufe beim Schalten. Dein Ritzelpaket dankt es dir mit deutlich längerer Lebensdauer.

Das Werkzeug – Ohne Peitsche geht nix

Für den Kassettenwechsel brauchst du genau drei Werkzeuge. Ohne die kommst du nicht weiter. Ich hab sie alle bei mir im Fahrradzubehör-Sortiment.

Werkzeug-Checkliste

Werkzeugname Wofür nötig? Mein Profi-Tipp
Kettenpeitsche Hält die Kassette beim Lösen fest Immer auf die großen Ritzel setzen – mehr Zähne greifen besser
Kassetten-Abzieher Greift in den Verschlussring Unbedingt Version mit Führungsstift kaufen – rutscht nicht ab
Maulschlüssel 24mm oder Ratsche Dreht den Abzieher Langer Hebelarm spart Kraft – kurze Schlüssel sind Qual
Drehmomentschlüssel Korrektes Anzugsdrehmoment 40 Nm einstellen – nach "fest" kommt "ab"
Lappen und Fett Freilauf reinigen und schmieren Dünn auftragen – zu viel Fett zieht Dreck an

Die Kettenpeitsche Anwendung ist simpel, wenn du es einmal verstanden hast. Die Peitsche ist quasi dein Gegenhalter. Du wickelst die Kette um ein Ritzel und hältst dagegen. So kann sich die Kassette nicht mitdrehen, wenn du den Verschlussring löst.

Dir fehlt noch die Kettenpeitsche oder der Abzieher? Hier findest du mein Profi-Werkzeug im Shop.

Schritt 1: Ausbau & Demontage (Der Kraftakt)

Zuerst baust du das Hinterrad aus. Schnellspanner oder Steckachse komplett rausdrehen. Das Rad legst du so hin, dass die Kassette nach oben zeigt.

Jetzt kommt der Trick, den ich allen Schraubern zeige: Steck den Schnellspanner oder die Steckachse wieder durch die Nabe. Schraub ihn leicht fest. Der Abzieher sitzt dann bombenfest im Verschlussring. Ohne diesen Hack fliegt dir das Werkzeug beim ersten Kraftaufwand aus der Hand.

So gehst du vor:

  1. Abzieher in den Verschlussring stecken
  2. Schnellspanner durch Nabe und Abzieher führen
  3. Gegenmutter handfest anziehen
  4. Kettenpeitsche um das größte Ritzel wickeln
  5. Mit der linken Hand die Peitsche nach rechts halten (Gegenrichtung)
  6. Mit der rechten Hand den Abzieher nach links drehen

Der Verschlussring hat Linksgewinde. Du drehst also gegen den Uhrzeigersinn zum Lösen. Das irritiert am Anfang. Beim ersten Mal brauchst du ordentlich Kraft. Nicht zaghaft sein. "Nach fest kommt ab" – das gilt auch hier. Wenn der Ring sitzt wie Beton: Über Nacht etwas Kriechöl drauf und am nächsten Tag nochmal probieren.

Sobald der Ring lose ist, nimmst du den Schnellspanner wieder raus. Dann schraubst du den Ring komplett ab. Die Kassette kannst du jetzt einfach nach oben abziehen.

Wichtig bei Shimano: Mach vorher ein Foto von der Reihenfolge der Ritzel und Spacer. Bei Shimano sind die einzelnen Zahnkränze nicht vernietet. Du kannst sie einzeln abnehmen. Bei SRAM ist meist alles ein Block. Da kann nichts durcheinander kommen.

Schritt 2: Freilauf-Wellness

Der Freilaufkörper ist jetzt freigelegt. Meistens sieht er nicht schön aus. Alter Schmierstoff, Metallabrieb, vielleicht sogar Rostspuren. Jetzt ist der perfekte Moment für eine Grundreinigung.

Nimm einen sauberen Lappen und wisch den groben Dreck ab. Für hartnäckige Ablagerungen nutze ich Kettenreiniger aus meinem Dr. Wack F100 Sortiment. Der löst alten Schmierstoff zuverlässig.

Danach kommt das Freilauf fetten. Und hier gilt: Weniger ist mehr. Ein dünner Film reicht völlig. Zu viel Fett zieht Schmutz an wie ein Magnet. Das schadet mehr als es nützt. Ich trag das Fett mit dem Finger auf und verteile es gleichmäßig auf den Nuten.

Kontrollier auch gleich die Sperrklinken im Freilauf. Die müssen sich frei bewegen. Wenn sie klemmen, tropf etwas dünnflüssiges Öl drauf. Das typische Surren beim Rollen zeigt dir, dass alles funktioniert.

Schritt 3: Montage der neuen Kassette

Die Montage geht schneller als die Demontage. Aber ein Fehler passiert hier besonders oft: Die Kassette falsch aufsetzen.

Schau dir den Freilaufkörper genau an. Du siehst mehrere Längsrillen. Eine davon ist breiter als die anderen. Und genau diese breite Nut muss zur breiten Aussparung an der Kassette passen. Anders geht es nicht drauf. Wenn du drückst und es klemmt, dreh die Kassette ein Stück weiter.

Der häufigste Anfängerfehler: Spacer vergessen. Bei 11-fach Rennrad-Kassetten auf MTB-Naben brauchst du oft einen 1,85mm Distanzring. Der kommt ZUERST auf den Freilauf. Dann erst die Kassette. Ohne diesen Spacer sitzt die Kassette zu tief. Die Schaltung funktioniert nicht sauber.

Bei Shimano-Kassetten achte auf die richtige Reihenfolge der Einzelritzel. Die kleinen Spacer zwischen den Ritzeln nicht vergessen. Das Foto von vorhin hilft hier enorm.

Drehmoment: Nach "fest" kommt "ab"

Der Abschlussring Drehmoment beträgt 40 Newtonmeter. Das ist verbindlich für Shimano und SRAM. Zu locker und die Kassette wackelt. Zu fest und du ruinierst das Gewinde.

Setz den Verschlussring auf und dreh ihn von Hand ein. Er hat Rechtsgewinde – also im Uhrzeigersinn festziehen. Beim Festziehen hörst du ein Ratschen. Das ist normal und gewollt. Die Sperrklinken im Freilauf arbeiten.

Dann nimmst du den Drehmomentschlüssel. 40 Nm einstellen. Langsam anziehen bis es klickt. Fertig. Kein Nachziehen, kein "noch ein bisschen fester". Das Klicken bedeutet: Drehmoment erreicht.

Ohne Drehmomentschlüssel? Dann zieh handfest an und gib noch eine viertel Umdrehung dazu. Das ist nicht ideal, funktioniert aber zur Not. Für regelmäßige Schrauber lohnt sich die Anschaffung aber definitiv.

Fazit & Probefahrt

Bevor du losfährst, stell deine Schaltung nach. Eine neue Kassette kann minimal andere Maße haben. Das merkst du sofort beim Schalten. Meist reicht eine halbe Umdrehung an der Zugspannung. Auf meiner Anleitungs-Übersicht findest du auch dazu eine Anleitung.

Die wichtigste Frage: Hast du auch die Kette gewechselt?

Eine alte, gelängte Kette auf einer neuen Kassette ist eine Todsünde. Die verschlissene Kette frisst deine neuen Ritzel in kürzester Zeit. Umgekehrt gilt: Eine neue Kette auf einer verschlissenen Kassette springt sofort über die Zähne. Beides gehört zusammen. Schau dir unbedingt meine Anleitung zum Kettenwechsel an.

Meine Faustregel: Nach zwei bis drei Kettenwechseln ist auch die Kassette fällig. Bei E-Bikes oft schon nach jedem Kettenwechsel.

Sicherheitscheck vor der Probefahrt:

  • Hinterrad fest eingespannt?
  • Schnellspanner oder Steckachse komplett geschlossen?
  • Schaltung durchschalten – alle Gänge erreichbar?
  • Keine Springgeräusche unter Last?

Wenn alles passt: Herzlichen Glückwunsch. Du hast gerade ordentlich Geld für die Werkstatt gespart. Und das Beste: Beim nächsten Mal geht es in der halben Zeit.

Mehr Infos zur Fahrrad Kassette wechseln findest du auch auf meiner Hauptseite zum Thema. Bei Fragen schreib mir einfach – ich helfe gern.

Häufige Fragen zum Kassettenwechsel

Kann ich einzelne Ritzel tauschen statt der ganzen Kassette?
Ja, bei Shimano-Kassetten geht das. Die Einzelritzel sind nicht vernietet. Du kannst gezielt die verschlissenen kleinen Ritzel ersetzen. Bei SRAM ist das meist nicht möglich, weil die Kassette aus einem Block gefräst ist.

Woher weiß ich, welche Kassette auf mein Fahrrad passt?
Das hängt von zwei Dingen ab: Der Freilaufkörper-Breite und der Anzahl der Gänge. Shimano und SRAM nutzen bei 8 bis 11 Gängen den gleichen Freilauf. Bei 12-fach gibt es Unterschiede. Schau auf deine alte Kassette – dort steht die Bezeichnung.

Was kostet ein Kassettenwechsel in der Werkstatt?
Die reine Arbeit kostet zwischen 15 und 30 Euro. Dazu kommt die Kassette selbst. Eine gute Shimano-Kassette liegt bei 40 bis 80 Euro. Bei E-Bikes empfehle ich die verstärkten Varianten – die kosten etwas mehr, halten aber deutlich länger.

Meine Kassette knarzt beim Treten – muss ich sie tauschen?
Nicht unbedingt. Knarzen kommt oft vom losen Verschlussring. Erst nachziehen mit 40 Nm. Wenn es weiter knarzt, liegt es meist an der Kette oder am Tretlager – nicht an der Kassette selbst.

AUSGEWÄHLTE KATEGORIEN FÜR DICH

Umweltfreundlicher Versand

Versandkostenfreie und klimaneutrale Lieferung mit DHL GoGreen ab 99€ Bestellwert.