Mechaniker löst Fahrradkassette mit Abzieher und Kettenpeitsche am Hinterrad - Kassette ausbauen

Kassette ausbauen und festziehen: Anleitung + 5 Fehler

Kassette ausbauen und festziehen in 10 Minuten: Abzieher, Kettenpeitsche, Drehrichtung und 40 Nm Schritt für Schritt erklärt. Plus die 5 häufigsten Fehler vom Spacer bis zum überdrehten Gewinde.

Eine schief montierte Kassette merkst du beim ersten kräftigen Antritt: Es knackt, der Verschlussring sitzt nicht, und im schlimmsten Fall ist das Aluminium-Gewinde der Nabe ruiniert. Ein neuer Freilaufkörper kostet dich dann schnell 40 bis 70 Euro, dazu der Ärger. Dabei ist der Aus- und Einbau in zehn Minuten erledigt, wenn du zwei Dinge richtig machst: in welche Richtung du den Verschlussring drehst und mit wieviel Kraft du ihn anziehst. Genau das zeige ich dir hier Schritt für Schritt, samt der fünf Fehler, die ich in der Werkstatt am häufigsten sehe.

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Das Wichtigste in 50 Wörtern: Zum Ausbauen die Kettenpeitsche auf ein großes Ritzel legen, den Abzieher in den Verschlussring stecken und gegen den Uhrzeigersinn lösen. Zum Festziehen den Verschlussring im Uhrzeigersinn handfest aufdrehen, dann mit 40 Nm anziehen, bis er hörbar klickt. Die Ritzel passen nur in einer Position. Den Rest erkläre ich dir Schritt für Schritt.

Welches Werkzeug du brauchst

Für den Kassettenwechsel brauchst du genau drei Werkzeuge. Das Herzstück ist der Kassettenabzieher, ein Stahlstück mit Verzahnung, das exakt in die Zähne des Verschlussrings greift. Bei den allermeisten Shimano-, SunRace- und SRAM-Kassetten mit HG- oder Microspline-Ring ist das der Standard mit zwölf Zähnen, wie ihn der Shimano TL-LR15 hat. Dazu eine Kettenpeitsche, ein Griff mit kurzem Kettenstück, das du um ein Ritzel legst. Ohne sie drehst du dich im Kreis, weil der Freilauf die Kassette mitdreht. Und drittens etwas, das den Abzieher dreht: ein 24er-Maulschlüssel, eine große Knarre oder am besten ein Drehmomentschlüssel.

Ob dein Rad einen HG-, Microspline- oder XD-Freilauf hat, entscheidet nicht über den Abzieher, sondern über die Kassette selbst. Wer unsicher ist, schaut vorher in meine Erklärung zum Freilauf-Standard, denn der falsche Freilauf ist der teuerste Fehlkauf überhaupt.

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💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Zum reinen Festziehen einer neuen Kassette geht es im Notfall ohne Peitsche, weil der Freilauf beim Anziehen von selbst blockiert. Zum Lösen brauchst du sie aber zwingend. Ich sehe jede Woche jemanden, der ohne Peitsche minutenlang am Ring kurbelt und sich wundert, warum sich nichts tut. Der Freilauf dreht einfach mit."

Kassette ausbauen: Schritt für Schritt

Der Ausbau dauert keine fünf Minuten, sobald du den Dreh raus hast. Wichtig ist nur die Drehrichtung: Der Verschlussring geht gegen den Uhrzeigersinn auf. So gehst du vor:

  1. Hinterrad ausbauen. Bei Schnellspanner oder Steckachse das Laufrad aus dem Rahmen nehmen, damit du frei arbeiten kannst.
  2. Kettenpeitsche auflegen. Leg das Kettenstück der Peitsche um eines der größeren Ritzel, sodass sich der Griff nach hinten oben stemmt. Die Peitsche hält die Kassette gegen, wenn du am Verschlussring drehst.
  3. Abzieher einsetzen. Steck den Kassettenabzieher mittig und gerade in die Verzahnung des Verschlussrings. Er muss vollständig und plan sitzen, sonst rutscht er und frisst die Zähne rund.
  4. Gegen den Uhrzeigersinn lösen. Halte die Peitsche mit der einen Hand fest und dreh den Abzieher mit der anderen Hand gegen den Uhrzeigersinn. Am Anfang braucht es einen kräftigen Ruck, weil der Ring mit 40 Nm angezogen war. Es kann laut knacken, das ist normal.
  5. Ritzel abnehmen. Ist der Verschlussring draußen, ziehst du die Ritzel und Spacer nach vorn vom Freilaufkörper ab. Achte auf die Reihenfolge, dazu gleich mehr.

Damit du die beiden Werkzeuge richtig ansetzt, hier das Prinzip als Schaubild. Die Peitsche stemmt im Uhrzeigersinn dagegen, der Abzieher dreht gegen den Uhrzeigersinn auf:

Kassette lösen: zwei Werkzeuge, zwei Richtungen Ring Kassette am Hinterrad Kettenpeitsche hält gegen Abzieher dreht gegen Uhrzeigersinn = auf (im Uhrzeigersinn = zu)

Kassette festziehen und richtig anziehen

Beim Einbau drehst du alles um: Der Verschlussring geht jetzt im Uhrzeigersinn zu. Bevor du aber loslegst, der entscheidende Punkt, an dem die meisten scheitern: Die Ritzel und Spacer müssen in der richtigen Reihenfolge und Ausrichtung auf den Freilauf. So machst du es richtig:

  1. Freilauf prüfen. Auf dem Freilaufkörper ist eine breitere Nut (bei HG) oder eine eindeutige Verzahnung (Microspline, XD). Die Kassette passt dadurch nur in einer einzigen Position. Wird sie schwergängig, sitzt sie verdreht. Nie mit Gewalt aufdrücken.
  2. Ritzel der Reihe nach aufschieben. Vom größten Ritzel innen bis zum kleinsten außen. Bei losen Einzelritzeln gehören die Distanzringe dazwischen, und die kleine Steighilfe-Markierung zeigt nach außen. Beim fertigen Kassettenpaket übernimmt das die Konstruktion für dich.
  3. Spacer nicht vergessen. Montierst du eine 8- oder 9-fach-Kassette auf einen modernen 11-fach-Freilauf, gehört ein 1,85-mm-Spacer ganz nach innen, sonst steht die Kassette über und der Ring greift nicht. Bei 10- und 11-fach auf passendem Freilauf sowie bei Microspline und XD brauchst du keinen.
  4. Verschlussring handfest aufdrehen. Den Ring im Uhrzeigersinn von Hand eindrehen, bis er fasst. Geht das schwer, hast du ein Ritzel verkantet, also nochmal kontrollieren.
  5. Mit 40 Nm anziehen. Abzieher in den Ring stecken und mit dem Drehmomentschlüssel im Uhrzeigersinn anziehen. Der Ring rastet dabei hörbar über seine Sicherungszähne. Dieses Knack-Knack ist die normale Rastsicherung, kein Signal zum weiteren Nachziehen. Bei 40 Nm ist Schluss.

Welche Kassette am Ende auf deinen Freilauf passt und wie eng oder weit sie abgestuft sein sollte, klärt mein Ratgeber zur Kassetten-Abstufung. Hier geht es nur um die saubere Montage.

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Das richtige Drehmoment: 40 Nm im Detail

40 Newtonmeter gibt Shimano für den Kassetten-Verschlussring vor, quer durch HG, Microspline und XD. Bei einzelnen Rennrad-Kassetten nennt Shimano einen Bereich von 30 bis 50 Nm, aber 40 Nm liegt sauber in der Mitte. Wichtig: Das ist das Maximum, nicht das Minimum, das du erreichen musst.

Wie sich 40 Nm anfühlen, unterschätzen viele: mehr als zwei Finger aus dem Handgelenk schaffen, aber deutlich weniger als ein Tritt mit ganzem Körpergewicht. Diese Grafik ordnet die typischen Drehmomente am Hinterrad ein:

Drehmomente am Hinterrad im Vergleich (Nm) Handfest Verschlussring E-Bike-Kurbel ca. 5 40 (Soll) 85
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wenn kein Drehmomentschlüssel da ist, nehme ich eine etwa 20 Zentimeter lange Knarre und ziehe mit normaler Handkraft an, bis es zweimal kräftig geklickt hat und der Ring satt steht. Das landet erfahrungsgemäß ziemlich genau bei 40 Nm. Was du auf keinen Fall machen solltest: dich mit dem ganzen Gewicht auf eine 40-Zentimeter-Stange werfen. Damit überdrehst du locker auf 80 Nm und sprengst dir das Gewinde."

Die 5 häufigsten Fehler beim Kassettenwechsel

Diese fünf Fehler landen bei mir am häufigsten auf dem Montageständer. Jeder einzelne ist mit etwas Aufmerksamkeit vermeidbar:

Fehler Was passiert Wann empfehlen wir das?
Kassette verdreht aufgesteckt Sie sitzt schief, der Ring greift nicht sauber, Ritzel eiern Nie mit Gewalt drücken. Die breite Nut am Freilauf suchen, Kassette nur in der passenden Position aufschieben.
Spacer bei 8/9-fach vergessen Kassette steht über, Verschlussring lässt sich nicht festziehen Immer den 1,85-mm-Spacer ganz nach innen, wenn du 8- oder 9-fach auf einen 11-fach-Freilauf montierst.
Zu wenig Drehmoment Ring lockert sich beim Fahren, Kassette hat Spiel, klackert Mit 40 Nm anziehen, bis es klickt und der Ring satt steht. Lieber kontrolliert auf 40 als zaghaft auf 20.
Zu viel Drehmoment Aluminium-Gewinde im Freilauf reißt aus, teurer Schaden Bei 40 Nm aufhören. Das Knacken der Rastsicherung ist kein Signal zum Nachziehen.
Spacer bei Microspline/XD eingebaut Kassette sitzt zu weit außen, Schaltung läuft nicht sauber Bei Microspline und XD gehört nie ein Spacer dazwischen. Diese Freiläufe sind exakt auf ihre Kassette ausgelegt.

Der mit Abstand teuerste davon ist das überdrehte Gewinde. Ein ausgerissener Freilaufkörper bedeutet im Zweifel ein neues Bauteil und Demontage des kompletten Laufrads. Genau dafür gibt es die 40-Nm-Vorgabe, sie ist kein Richtwert, sondern eine Schutzgrenze. Die passende Kassette als Ersatz findest du in unserer Auswahl an Fahrrad-Kassetten, achte dabei zuerst auf den Freilauf-Standard deines Hinterrads.

Ehrlich gesagt: Braucht es den Drehmomentschlüssel wirklich?

Das Marketing rund um Werkzeug suggeriert, ohne kalibrierten Drehmomentschlüssel sei jede Schraube am Rad ein Risiko. In der Werkstatt sehe ich das differenzierter. Beim Verschlussring ist die Toleranz mit 30 bis 50 Nm bei vielen Kassetten so großzügig, dass ein geübtes Handgelenk sie ohne Messgerät trifft. Wer schon hundert Kassetten montiert hat, spürt die 40 Nm.

Trotzdem mein ehrlicher Rat: Machst du den Wechsel nur ein- oder zweimal im Jahr, hast du dieses Gefühl nicht, und dann ist der Drehmomentschlüssel jeden Euro wert. Zu locker kostet dich Nerven auf der Tour, zu fest einen kaputten Freilauf. Ein einfacher Drehmomentschlüssel kostet weniger als ein neuer Freilaufkörper, also eine sehr günstige Versicherung gegen einen teuren Fehler.

Häufige Fragen zum Kassette ausbauen und festziehen

In welche Richtung löse ich den Verschlussring der Kassette?

Der Verschlussring wird gegen den Uhrzeigersinn gelöst. Du legst die Kettenpeitsche um ein großes Ritzel, steckst den Abzieher in den Ring und drehst kräftig gegen den Uhrzeigersinn. Festgezogen wird umgekehrt im Uhrzeigersinn. Am Anfang braucht das Lösen einen kräftigen Ruck, weil der Ring mit 40 Nm angezogen war.

Mit wieviel Nm ziehe ich die Kassette fest?

Shimano gibt 40 Newtonmeter für den Verschlussring vor, gültig für HG, Microspline und XD. Bei einigen Rennrad-Kassetten ist ein Bereich von 30 bis 50 Nm angegeben, 40 Nm liegt sicher in der Mitte. Wichtig: 40 Nm ist das Maximum. Der Ring rastet beim Anziehen hörbar über seine Sicherungszähne, dieses Klicken ist kein Signal zum weiteren Nachziehen.

Brauche ich beim Kassettenwechsel einen Spacer?

Das hängt von Kassette und Freilauf ab. Eine 8- oder 9-fach-Kassette auf einem modernen 11-fach-Freilauf braucht einen 1,85-mm-Spacer ganz innen, sonst steht sie über und der Ring greift nicht. Bei 10- und 11-fach auf passendem Freilauf brauchst du meist keinen. Bei Microspline und XD gehört nie ein Spacer dazwischen, diese Freiläufe sind exakt auf ihre Kassette ausgelegt.

Wie weiß ich, ob die Kassette richtig herum sitzt?

Die Ritzel passen durch die Verzahnung des Freilaufkörpers nur in einer einzigen Position auf. Es gibt eine breitere Nut, an der sich die Kassette ausrichtet. Lässt sie sich ohne Kraft aufschieben und steht plan, sitzt sie richtig. Wird es schwergängig oder eiert ein Ritzel, ist die Kassette verdreht. Nie mit Gewalt aufdrücken, sondern abziehen und neu ausrichten.

Kann ich die Kassette ohne Kettenpeitsche ausbauen?

Zum Lösen brauchst du die Kettenpeitsche zwingend, weil der Freilauf die Kassette sonst mitdreht. Zum Festziehen geht es zur Not ohne, da der Freilauf beim Anziehen im Uhrzeigersinn von selbst blockiert. Für sauberes Arbeiten empfehle ich aber Peitsche und Drehmomentschlüssel zusammen.

Du willst den Wechsel selbst angehen? Besorg dir den passenden Abzieher und leg los (Achte vor dem Kauf einer neuen Kassette zuerst auf den Freilauf-Standard deines Hinterrads, HG, Microspline oder XD, sonst passt die schönste Kassette nicht aufs Rad!).

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