Zahnkranz, Kassette, Schraubkranz, Ritzelpaket, Kettenkranz - fünf Wörter für ein Bauteil, und genau hier vergreifen sich die meisten beim Nachkaufen. Letzte Woche stand wieder ein Kunde mit einer nagelneuen 12-fach-Kassette für 90 Euro vor mir, die nie auf sein altes 7-fach-Rad gepasst hätte. Das Teil hinten am Hinterrad nennt fast jeder Zahnkranz - aber ob du eine Kassette oder einen Schraubkranz brauchst, entscheidet, ob die Bestellung passt oder im Müll landet. Ich bin Christian Reindl, schraube täglich in der Werkstatt, und ich zeige dir hier in zwei Minuten, was du wirklich hast und welcher Zahnkranz an dein Rad gehört.
Inhalt
- Was ist ein Zahnkranz überhaupt?
- Zahnkranz heißt Kassette oder Schraubkranz
- So erkennst du in 2 Minuten, was du hast
- Welcher Zahnkranz passt zu deinem Rad?
- 11-34, 14-28: was die Zahlen bedeuten
- Häufige Fragen
Was ist ein Zahnkranz überhaupt?
Zahnkranz ist der Oberbegriff für das Paket aus Zahnrädern, das hinten an deinem Laufrad sitzt und über die Kette deine Tretkraft aufs Rad bringt. Andere Wörter dafür sind Kettenkranz, Ritzelpaket oder schlicht "die Ritzel hinten". Wichtig zur Abgrenzung: Das ist nicht das vordere Zahnrad an der Kurbel - das heißt Kettenblatt. Wenn du also "Zahnrad fürs Fahrrad" suchst, meinst du fast immer den Zahnkranz hinten.
Die Größe der einzelnen Ritzel bestimmt zusammen mit dem Kettenblatt deine Übersetzung - also wie leicht du den Berg hochkommst und wie schnell du in der Ebene wirst. Welcher Zahnkranz zu deiner Schaltung passt, hängt aber an drei Dingen, und genau da fängt das Thema an, knifflig zu werden. Den kompletten Überblick dazu findest du in meinem großen Kassetten-Kaufratgeber.
Zahnkranz heißt Kassette oder Schraubkranz - der Unterschied
Hinter dem Wort Zahnkranz stecken zwei völlig verschiedene Systeme, und die sind nicht untereinander austauschbar. Das ist der Punkt, an dem die meisten Fehlkäufe passieren:
- Kassette (Steckkassette): Die Ritzel werden auf einen Freilaufkörper aufgesteckt und mit einem Verschlussring fixiert. Modern, ab 8 Ritzeln aufwärts, kleinstes Ritzel meist 11 Zähne. Das ist heute der Standard an so gut wie jedem neueren Rad.
- Schraubkranz (Schraubzahnkranz): Hier sind Ritzel und Freilauf eine Einheit, die auf ein Gewinde der Nabe aufgeschraubt wird. Meist 6 oder 7 Ritzel, kleinstes Ritzel 13 oder 14 Zähne. Findet man nur noch an älteren oder sehr günstigen Rädern.
| Eigenschaft | Kassette | Schraubkranz | Wann empfehlen wir das? |
|---|---|---|---|
| Befestigung | Aufgesteckt auf Freilaufkörper + Verschlussring | Auf Naben-Gewinde aufgeschraubt | - |
| Anzahl Ritzel | 8 bis 12 (selten 13) | 5, 6 oder 7 | Kassette ab 8 Gängen hinten, Schraubkranz bei 6-7 Gängen |
| Kleinstes Ritzel | ab 10-11 Zähne | 13-14 Zähne | - |
| Typische Räder | Alles ab ca. Baujahr 2000, alle E-Bikes | Alte Trekking-, Stadt- und Kinderräder | Modernes Rad = Kassette, Oldie = Schraubkranz |
| Preisrahmen | ca. 20 bis 380 Euro | ca. 20 Euro | Schraubkranz, wenn das alte Rad günstig fit bleiben soll |
Den klassischen 7-fach-Schraubzahnkranz gibt es bei uns ab 21,95 Euro, eine moderne HG200-Einsteiger-Kassette ab 20,95 Euro. Preislich also fast gleich - der Unterschied liegt einzig darin, was deine Nabe aufnimmt.

So erkennst du in 2 Minuten, was du hast
Bevor du irgendetwas bestellst, dreh dein Rad um oder häng es auf und schau dir das Hinterrad genau an. Drei Handgriffe reichen:
- Verschlussring suchen: Steht auf dem kleinsten Ritzel eine feine Mutter mit Kerbverzahnung und einer Aufschrift wie "Lock"? Dann ist es eine Kassette. Kein sichtbarer Verschlussring, das Ritzelpaket sieht aus wie aus einem Guss - dann meist Schraubkranz.
- Kleinstes Ritzel zählen: Hat das kleinste Ritzel 11 Zähne, ist es fast sicher eine Kassette. Sind es 13 oder 14, deutet alles auf einen Schraubkranz.
- Gänge zählen: 8 oder mehr Ritzel hinten = Kassette. 6 oder 7 = sehr wahrscheinlich Schraubkranz (aber 7-fach gibt es auch als Kassette, deshalb Schritt 1 und 2 dazunehmen).
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wenn du unsicher bleibst, leuchte mit dem Handy in den Spalt zwischen kleinstem Ritzel und Rahmen. Siehst du die feinen Längsrillen eines Freilaufkörpers, ist es eine Kassette. Siehst du ein durchgehendes Gewinde, hast du einen Schraubkranz. Diesen Blick spare ich mir nach 12 Jahren - aber bei dir entscheidet er über 20 Euro Fehlkauf."
Welche Freilauf-Bauart dein Rad genau hat - HG, Microspline oder XD - klärst du mit dem Daumentest in meinem Ratgeber Welcher Freilauf passt? HG, Microspline, XD und Schraubkranz bestimmen. Den passenden Kassettenabzieher brauchst du übrigens für beide Systeme zum Abnehmen - mehr dazu im Fahrradwerkzeug.

Welcher Zahnkranz passt zu deinem Rad?
Wenn klar ist, ob Kassette oder Schraubkranz, geht es um die richtige Größe. Drei Faktoren müssen stimmen, sonst schaltet es nie sauber:
- Gangzahl: Die Anzahl der Ritzel muss zu deinem Schalthebel passen. Ein 10-fach-Schalthebel schaltet keine 11-fach-Kassette sauber.
- Freilauf-Standard: HG, Microspline oder XD - die Kassette muss auf deinen Freilaufkörper passen.
- Bandbreite: Von eng (z.B. 11-28 fürs Rennrad) bis weit (10-51 fürs MTB). Das entscheidet, wie steile Berge du noch hochkurbelst.
Grobe Orientierung nach Radtyp: Rennrad 11-28 bis 11-32, Gravel 11-34 bis 10-42, Trekking 11-34 bis 11-36, MTB 11-46 bis 10-51. Bei den alten 6- und 7-fach-Schraubkranz-Rädern bleibt es meist bei 14-28. Eine günstige, robuste Alternative zu Shimano sind die SunRace-Kassetten - die fahre ich in der Werkstatt oft an Pendler- und E-Bikes. Die ganze Auswahl steckt in den Fahrradkassetten.
11-34, 14-28: was die Zahlen bedeuten
Die zwei Zahlen auf jeder Verpackung sind das kleinste und das größte Ritzel in Zähnen. 11-34 heißt: kleinstes Ritzel 11 Zähne (schnell), größtes 34 Zähne (Berg). Je größer die zweite Zahl, desto leichter kommst du den Anstieg hoch - aber desto größer werden auch die Gangsprünge. Die genauen Begriffe rund um 11-46T, HG oder CS-Codes erkläre ich im Kassetten-Begriffe-Glossar.
Ehrlich gesagt: Das Marketing verkauft dir gern "mehr Bandbreite ist immer besser". In der Werkstatt sehe ich das anders. Wer flach pendelt, fährt mit einer engen 11-32 spürbar harmonischer als mit einer weiten 11-46, bei der jeder Gangsprung ruckelt. Und beim Schraubkranz bin ich ganz ehrlich: Wir führen ihn bewusst weiter für ältere Räder, aber wenn deine Nabe es zulässt, ist der Umstieg auf eine Kassette langfristig die bessere Investition - mehr Gänge, feinere Abstufung, größere Auswahl.
💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Wechsle den Zahnkranz nie allein. Eine verschlissene Kette frisst dir die neuen Ritzel in wenigen hundert Kilometern wieder rund. Ich tausche beides immer im Set - das ist am Ende günstiger als zweimal schrauben."
Wie du den Zahnkranz dann konkret abnimmst, sogar ohne teures Spezialwerkzeug, zeige ich Schritt für Schritt in der Anleitung Zahnkranz wechseln ohne Spezialwerkzeug.
Häufige Fragen
Ist ein Zahnkranz das Gleiche wie eine Kassette?
Nicht ganz. Zahnkranz ist der Oberbegriff. Eine Kassette ist ein moderner, aufgesteckter Zahnkranz, ein Schraubkranz ein älterer, aufgeschraubter. Beide sind Zahnkränze, aber technisch nicht austauschbar.
Wie erkenne ich, ob ich einen Schraubkranz oder eine Kassette habe?
Achte auf den Verschlussring am kleinsten Ritzel (Kassette) oder ein Gewinde ohne Ring (Schraubkranz). Faustregel: kleinstes Ritzel mit 11 Zähnen und 8 oder mehr Gänge sprechen für eine Kassette, 13-14 Zähne und 6-7 Gänge für einen Schraubkranz.
Welcher Zahnkranz passt auf mein Fahrrad?
Es müssen Gangzahl (passend zum Schalthebel), Freilauf-Standard (HG, Microspline oder XD) und Bandbreite stimmen. Orientiere dich an deinem aktuellen Teil und kaufe eine baugleiche Variante, wenn dir die Übersetzung passt.
Ist der Zahnkranz vorne oder hinten?
Hinten am Laufrad. Das vordere Zahnrad an der Tretkurbel heißt Kettenblatt. Wenn von Zahnkranz, Kassette oder Ritzelpaket die Rede ist, geht es immer um das Paket hinten.
Was kostet ein neuer Zahnkranz?
Ein einfacher Schraubkranz oder eine Einsteiger-Kassette liegt bei rund 20 Euro. Mittelklasse-Kassetten kosten 50 bis 100 Euro, High-End-Modelle fürs MTB oder Rennrad bis über 350 Euro. Plane die Kette gleich mit ein.
Schau dir in Ruhe an, was hinten an deinem Rad sitzt - dann findest du das passende Teil garantiert auf Anhieb (Achte auf den Freilauf-Standard und die Gangzahl, das ist der häufigste Stolperstein!).


