Lochkreis (BCD) am Kettenblatt messen: Anleitung

Lochkreis (BCD) am Kettenblatt messen: Anleitung

BCD am Kettenblatt messen leicht gemacht: gegenüberliegende Löcher direkt messen, bei 5 Armen durch 0,5878 teilen. Mit Mess-Schema, Tabelle gängiger Lochkreise und den häufigsten Kauf-Fehlern.

Hand aufs Herz: Ein falsch bestelltes Kettenblatt liegt am Ende nutzlos in der Schublade, weil die Löcher einfach nicht auf die Kurbel passen. Das passiert öfter, als du denkst - und der Schuldige ist fast immer der Lochkreis. In meiner Werkstatt sehe ich jede Woche jemanden, der ein 40 Euro Kettenblatt zurückschicken muss, weil er BCD mit Zähnezahl verwechselt hat. Dabei misst du den Lochkreis in zwei Minuten selbst, mit einem Messschieber oder zur Not einem Lineal. Ich zeige dir, wie.

⏱️ 1 Minute lesen · 12 Jahre Werkstatt · kein Kettenblatt-Fehlkauf
Das Wichtigste in 50 Wörtern: BCD (Bolt Circle Diameter) ist der Durchmesser des gedachten Kreises durch alle Schraubenmitten. Bei gerader Lochzahl misst du direkt von einer Schraube zur gegenüberliegenden. Bei 5 Armen teilst du den Abstand zweier Nachbarlöcher durch 0,5878. Das Kettenblatt muss zu Lochkreis UND Armzahl der Kurbel passen - den Rest erkläre ich dir Schritt für Schritt.

Was BCD und Lochkreis genau bedeuten

BCD steht für Bolt Circle Diameter, auf Deutsch der Lochkreisdurchmesser. Stell dir einen gedachten Kreis vor, der exakt durch die Mitte aller Befestigungslöcher deines Kettenblatts läuft. Der Durchmesser dieses Kreises ist der Lochkreis, angegeben in Millimetern. Ein Kettenblatt mit der Angabe "104 mm BCD" hat also Löcher, die auf einem 104 Millimeter großen Kreis sitzen.

Wichtig ist die Trennung von zwei Begriffen, die ständig durcheinandergehen: Die Zähnezahl (zum Beispiel 32Z) bestimmt die Übersetzung, also wie schwer oder leicht du trittst. Der Lochkreis bestimmt nur, ob das Blatt überhaupt auf deine Kurbel passt. Du kannst dasselbe 104 mm Kettenblatt mit 30, 32 oder 34 Zähnen kaufen - solange der Lochkreis und die Armzahl stimmen, passt es. Genau hier liegt der häufigste Denkfehler im Laden.

Dazu kommt die Armzahl der Kurbel. Klassische Kurbeln haben 4 oder 5 Arme (Spider-Arme), an deren Enden die Löcher sitzen. Ein 5-Loch-Kettenblatt passt niemals auf eine 4-Arm-Kurbel, auch wenn der Lochkreis rechnerisch gleich wäre. Du brauchst also immer beides: den richtigen BCD-Wert und die passende Anzahl Löcher.

💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Notier dir den BCD-Wert mit wasserfestem Stift direkt auf die Innenseite des alten Kettenblatts, bevor du es entsorgst. Ich habe in der Werkstatt eine ganze Kiste alter Blätter als Referenz - das spart bei der nächsten Bestellung das ganze Nachmessen."

BCD messen: 4-Arm, 5-Arm und gerade Lochzahl

Du brauchst dafür nur einen Messschieber. Ein Lineal geht auch, ist aber ungenauer - und bei BCD entscheiden wenige Millimeter über passt oder passt nicht. Wichtig: Du misst immer von Schraubenmitte zu Schraubenmitte, nicht von Lochrand zu Lochrand.

Gerade Lochzahl (4 oder 6 Arme): direkt gegenüber messen

Bei einer geraden Anzahl Löcher liegt jedem Loch ein anderes exakt gegenüber. Hier ist es kinderleicht: Du misst einfach den Abstand von der Mitte eines Lochs zur Mitte des direkt gegenüberliegenden Lochs. Dieser Wert ist bereits der Lochkreisdurchmesser. Keine Formel, keine Rechnerei. Bei einer Standard 4-Arm-MTB-Kurbel kommst du so direkt auf 104 mm (großes Blatt) oder 64 mm (kleines Blatt).

5 Arme: messen und durch 0,5878 teilen

Bei 5 Löchern liegt sich kein Loch direkt gegenüber - deshalb brauchst du hier die Formel. So gehst du vor:

  1. Miss den Abstand zwischen den Mitten zweier benachbarter Löcher (nennen wir ihn A).
  2. Teile diesen Wert durch 0,5878.
  3. Das Ergebnis ist dein Lochkreisdurchmesser.

Ein Beispiel: Du misst zwischen zwei Nachbarlöchern 64,7 mm. Dann rechnest du 64,7 / 0,5878 = rund 110 mm. Du hast also einen klassischen Kompakt-Rennrad-Lochkreis vor dir. Misst du 76,4 mm, landest du bei 130 mm - dem alten Shimano-Standardmaß. Die 0,5878 sind übrigens kein Zufallswert, sondern ergeben sich aus der Geometrie des Fünfecks (der Sinus von 36 Grad).

💡 Mein Werkstatt-Tipp: "Miss bei 5-Arm immer zwei verschiedene Lochpaare und vergleiche. Wenn ein Spider leicht verbogen ist - was bei gestürzten Bikes öfter vorkommt - weichen die Werte ab. Dann nimm den Mittelwert, sonst bestellst du nach einem Messfehler das falsche Blatt."

Mess-Schema zum Mitmessen

Damit du dir das Messen bildlich vorstellen kannst, hier die beiden Fälle als Skizze. Links der einfache 4-Arm-Fall (direkt gegenüber), rechts der 5-Arm-Fall mit Nachbarabstand und Formel:

4 Arme (gerade Lochzahl) gegenüber = BCD direkt 5 Arme (Formel) A A = Abstand Nachbarlöcher BCD = A / 0,5878

Du siehst: Beim 4-Arm reicht die eine Linie quer durch die Mitte. Beim 5-Arm misst du die kurze Strecke A zwischen zwei Nachbarn und rechnest einmal kurz.

Gängige BCD-Werte: die große Tabelle

In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Maße auf. Wenn dein gemessener Wert nah an einem dieser Standards liegt (auf 1 bis 2 mm genau), dann ist es mit hoher Sicherheit genau dieser Standard - kleine Messabweichungen sind normal. Diese Übersicht deckt fast alles ab, was dir an Rad und E-Bike begegnet:

BCD / Arme Einsatzbereich Typische Zähnezahl Wann empfehlen wir das?
104 mm, 4-Arm MTB / Trekking (großes Blatt) 32 - 44Z Der Klassiker an vielen Shimano-Deore-, SLX- und XT-Kurbeln der älteren Generation. Wenn du eine 4-Arm-MTB-Kurbel hast, ist das dein Standard.
64 mm, 4-Arm MTB / Trekking (kleines Blatt) 22 - 26Z Das kleine Inner-Blatt bei 2- und 3-fach-MTB-Kurbeln. Immer im Doppelpack mit dem 104er gedacht.
96 mm, 4-Arm (asymmetrisch) MTB 1-fach, neuere Shimano 30 - 38Z Shimano SLX M7000 und XT M8000. Achtung: asymmetrisch, das Blatt passt nur in einer Position. Hier nie ein Standard-4-Loch erzwingen.
110 mm, 5-Arm Rennrad Kompakt 34 - 50Z Die häufigste Wahl am modernen Rennrad und Gravelbike. Erlaubt kleine Blätter für mehr Berg-Reserve.
130 mm, 5-Arm Rennrad Standard (Shimano) 39 - 53Z Die klassische Renn-Übersetzung an älteren Shimano-Rennkurbeln. Für schnelle Fahrer im Flachen.
135 mm, 5-Arm Rennrad Standard (Campagnolo) 39 - 53Z Campagnolos eigenes Standardmaß. Wichtig: 130 und 135 sehen fast gleich aus, sind aber nicht tauschbar - hier genau messen.
110 mm, 4-Arm (asymmetrisch) Rennrad, neuere Shimano 34 - 53Z Aktuelle Shimano-Rennkurbeln (z. B. 105, Ultegra) setzen auf diesen 4-Loch-Standard. Nur Shimano-eigene Blätter passen sauber.
Direct Mount (kein BCD) Modernes 1-fach MTB / E-Bike 30 - 36Z Das Blatt wird direkt auf die Kurbel gesteckt, ohne Spider. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Keine Lust auf Theorie? Direkt zu Direct Mount

Direct Mount: das Kettenblatt ohne Lochkreis

Bei vielen modernen 1-fach-Antrieben und E-Bikes findest du gar keinen Lochkreis mehr. Diese Systeme heißen Direct Mount. Das Kettenblatt wird hier direkt auf eine genormte Aufnahme an der Kurbel gesteckt und mit einem Sicherungsring oder einer zentralen Verschraubung fixiert - der klassische Spider mit vier oder fünf Armen entfällt komplett.

Der Vorteil: weniger Gewicht, eine sauberere Kettenlinie und keine fummeligen Einzelschrauben. Der Haken: Direct Mount ist nicht herstellerübergreifend. Eine SRAM-Direct-Mount-Aufnahme nimmt kein Shimano-Blatt auf und umgekehrt. Bei E-Bikes kommt noch der Motorstandard dazu - ein Bosch-Kettenblatt sitzt anders als ein Shimano-Steps-Blatt. Hier zählt also nicht der BCD, sondern die exakte Aufnahme-Bezeichnung deiner Kurbel oder deines Motors.

Faustregel für die Bestellung: Hat deine Kurbel sichtbare Schraubarme, brauchst du Lochkreis plus Armzahl. Sitzt das Blatt direkt und ohne Arme auf der Kurbel, suchst du nach der passenden Direct-Mount-Norm - nicht nach Millimetern.

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Die häufigsten Fehler beim Kettenblatt-Kauf

Ehrlich gesagt: Die meisten Fehlkäufe haben gar nichts mit dem Messen zu tun, sondern mit Annahmen. Das sind die Stolperfallen, die mir am häufigsten über den Werkstatttisch laufen:

  • Armzahl vergessen. Du misst korrekt 104 mm, bestellst aber ein 5-Loch-Blatt. Lochkreis stimmt, Löcher passen trotzdem nicht. Immer beides prüfen.
  • 104 und 110 verwechselt. Nur 6 mm Unterschied, aber Welten zwischen MTB und Rennrad. Mit dem Lineal schnell vertan - hier lohnt der Messschieber.
  • 130 mit 135 verwechselt. Der Campagnolo-Klassiker. Optisch kaum zu unterscheiden, mechanisch inkompatibel.
  • Asymmetrie übersehen. Bei Shimanos 96 mm und 110 mm 4-Arm sind die Löcher nicht gleichmäßig verteilt. Da passt nur das passende Markenblatt, kein Universal-Teil.
  • Direct Mount als BCD behandelt. Wer hier nach Millimetern sucht, findet nie das richtige Teil.

Marketing sagt gern "universell passend" auf günstigen Kettenblättern. In der Werkstatt sehe ich das anders: Gerade bei asymmetrischen 4-Arm-Standards und Direct Mount ist "universell" meistens das, was am Ende klappert oder gar nicht erst aufgeht. Im Zweifel das Originalmaß des Herstellers nehmen - das ist günstiger als zweimal bestellen.

Wenn du beim Wechsel ohnehin an der Kurbel bist, lohnt ein Blick auf den Verschleiß des ganzen Antriebs. Eine günstige Kettenverschleißlehre ist hier das wichtigste Spar-Tool überhaupt: Misst du die Kette rechtzeitig, tauschst du sie für ein paar Euro - wartest du zu lange, frisst die gelängte Kette auch noch Kettenblatt und Kassette mit, und plötzlich kostet es das Vielfache. Das passende Werkzeug für solche Arbeiten findest du in meiner Auswahl an Fahrradwerkzeug.

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Wie das Kettenblatt überhaupt funktioniert und welche Rolle es im Antrieb spielt, erkläre ich ausführlich in meinem Ratgeber zum Kettenblatt am Fahrrad. Und falls du zum Wechseln erst die Kurbel demontieren musst, führt dich meine Anleitung zum Kurbel abziehen und wechseln (Hollowtech & Vierkant) Schritt für Schritt durch.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie messe ich den Lochkreis bei 5 Löchern ohne Tabelle?

Du misst den Abstand zwischen den Mitten zweier benachbarter Löcher und teilst diesen Wert durch 0,5878. Misst du zum Beispiel 64,7 mm, ergibt das rund 110 mm Lochkreis. Den gleichen Wert bekommst du, wenn du den Nachbarabstand mit 1,701 multiplizierst - das ist dieselbe Rechnung, nur umgekehrt.

Was ist der Unterschied zwischen BCD und Zähnezahl?

Die Zähnezahl (z. B. 32Z) bestimmt deine Übersetzung, also wie schwer du trittst. Der BCD (Lochkreis) bestimmt nur, ob das Blatt mechanisch auf die Kurbel passt. Beide sind unabhängig: Ein 104-mm-Kettenblatt gibt es mit verschiedenen Zähnezahlen. Für einen passenden Kauf brauchst du Lochkreis, Armzahl und Zähnezahl.

Kann ich ein 4-Loch-Kettenblatt auf eine 5-Arm-Kurbel schrauben?

Nein. Die Armzahl der Kurbel muss exakt zur Lochzahl des Kettenblatts passen, auch wenn der Lochkreis rechnerisch gleich wäre. Ein 4-Loch-Blatt passt nur auf eine 4-Arm-Kurbel, ein 5-Loch-Blatt nur auf eine 5-Arm-Kurbel. Prüfe immer beides.

Mein Bike hat gar keine Schraubarme am Kettenblatt - was nun?

Dann hast du ein Direct-Mount-System. Hier gibt es keinen Lochkreis. Das Blatt sitzt direkt auf der Kurbel oder am Motor. Du suchst in diesem Fall nicht nach Millimetern, sondern nach der genauen Aufnahme-Bezeichnung deiner Kurbel oder deines E-Bike-Motors, da Direct Mount nicht herstellerübergreifend kompatibel ist.

Warum passt mein 130-mm-Blatt nicht auf die Campagnolo-Kurbel?

Weil Campagnolo bei klassischen Rennkurbeln 135 mm Lochkreis verwendet, nicht die 130 mm von älteren Shimano-Kurbeln. Die 5 mm Unterschied reichen, damit die Löcher nicht mehr fluchten. Beide Maße sehen auf den ersten Blick fast gleich aus, sind aber nicht tauschbar. Hier hilft nur genaues Nachmessen.

Mit Messschieber und der einen Formel im Kopf bestellst du nie wieder das falsche Kettenblatt. Miss lieber zweimal nach, bevor du auf "Kaufen" klickst - und prüfe immer Lochkreis, Armzahl und Zähnezahl zusammen. Das passende Werkzeug zum Wechseln (achte auf die richtige Innensechskant-Größe deiner Kettenblattschrauben!) findest du in der Fahrradwerkzeug-Auswahl.

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